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Dona Francisca : 70 Jahre deutscher Kulturarbeit in Brasilien im Staate Santa Catharina / von Fritz Bühler
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IV.

Der subtropische drxvaiö uncl seine Lebevseit.

Der Urwald ist das Feld des Bauernstandes; es ist wohl gut, dem Leser einen Blick in diese so maje­stätische Wildnis zu gewähren. Baum an Baum und Palme an Palme, Riesen und Zwerge, stehen da und streben alle dem Lichte zu, das nur über den Kronen des 30 bis 40 Meter hohen Waldes flutet, seit Jahr­tausenden aber nie einen Strahl in den eigentlichen Wald senden konnte. Dies Auswärtsstreben fördert den Eeradwuchs. Darum wirkt der Urwald wie ein mäch­tiger Säulendom. Das Auge wird unwillkürlich ge­zwungen, den Blick in die Höhe zu lenken. Ein Durch­schauen ist aber nicht möglich. Das Auge muß sich erst an das .ewige Dämmerdunkel gewöhnen. Im Ur­wald herrscht nur die Dämmerung, auch am Mittag. Ohne Uhr ahnt man diesen nur, weil um die Mittags­zeit alle Böge! schweigen und tiefste Stille waltet. Wer sich im Urwald verirrt, kann ohne Kompaß keine Himmelsrichtung feststellen, weil alle andern, von der Sonne abhängigen Merkmale fehlen. Hat sich aber das Auge an das matte Licht gewöhnt, dann tut sich ihm eine Wunderwelt auf. Hängenden Gärten gleich schmücken die verschiedenartigsten Orchideen mit ihren mattedelfarbigen Blüten die Bäume in ihren Astver­zweigungen. Belebt wird dieses schöne Bild durch allerlei Schmarotzerpflanzen, die zum Teil Luftwurzeln zur Erde niedersenden. Von unten aber wächst ihnen das üppigste Unterholz entgegen, bestehend aus kleinen