Einleitung.
Der gegenwärtige Stand der Mklimati- sationsfrage.
2gie das Institut Colonial International — in seinen Sitzungen von 1909 im Haag, von 1911 in Braunschweig und 1912 in Brüssel — und der Deutsche Kolonialkongreß von 1910 festgestellt haben, ist die Akklimatisationsfrage noch weit von ihrer Lösung entfernt^ Ja, über die Fragestellung selbst ist man sich in vielen Punkten nicht einig geworden.
Man ging davon aus, daß zwischen Akklimatisation des Individuums und Akklimatisation der Rasse streng zu unterscheiden sei. Die vom Institut zur Bearbeitung der Frage ernannte Kommission (Mitglieder: Hubrecht, Drhepondt, Graf Hütten-Czapski und Rathgen) gelangte zunächst zu folgender Definition der beiden Begriffe: Unter Akklimatisation des Individuums sei zu verstehen „in possibilits pour un individu dstormiuo do s'adaptor pli^sioloZI^uomeut aux oouditions du nouvsau milisu, pour uu tsrme dotormino gui pout meme etre in durss de eon existenee". Rassenakklimatisation dagegen sei „l'adap- tatiou au olimat de toute uue Population non seulement pour la duree de la vie des Premiers arrivants, mais aussi de leur pro§eniture, eon- servant de Generation en Generation les c^ualites distinetives de leurs aseendants, sans aueun mslan^e de san§ indi§ene"2.
Eine vollständige Rassenakklimatisation wäre hiernach also nur dann gegeben, wenn die in die Tropen versetzte Bevölkerung und ihre Nachkommenschaft keine physiologische oder psychologische Veränderung durch die neuen Lebensbedingungen erfahren würde. Hauptsächlich unter dem Einfluß anthropologischer Betrachtung wandte man sich aber
1 Im übrigen auf die umfangreiche Literatur darüber einzugehen, ist hier nicht der Ort; eine Bibliographie findet sich in der Libliotlieoa OeoZrapInca .(Rubrik: Anthropogeographie).
2 Institut Oolonial International, Ooinpte Uenäu von 1911, S. 348.
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Schriften 147. V.