Den Stoff zur vorliegenden Arbeit habe ich auf einer Reise von vier Monaten durch die deutschen Siedlungsgebiete von Espirito Santo gesammelt. Es wäre mir allerdings ganz unmöglich gewesen, in dieser kurzen Zeit der großen Fülle des Materials Herr zu werden, wenn ich nicht überall das größte Entgegenkommen gefunden hätte.
Auf litterarische Vorarbeiten konnte nur in wenigen Fällen zurückgegriffen werden. Denn was über Espirito Santo geschrieben worden ist, bezieht sich größtenteils auf die allgemeinen Verhältnisse des Landes, die ich im ersten Kapitel skizziert habe. Es handelt sich zumeist um amtliche Publikationen, welche mir durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Staatspräsidenten zugänglich gemacht wurden. Zu erwähnen ist ferner das bekannte Werk des schweizerischen Diplomaten und Fvrschungsreisenden Johann Jakob von Tschudi „Reisen durch Südamerika", dessen erstes Kapitel im dritten Bande das wichtigste Dokument über die Entstehungsgeschichte der deutschen Siedlungen darstellt. Über Sitten und Gebräuche der Kolonisten bringt das Buch des Pfarrers Wernicke „Deutsch-evangelisches Volkstum in Espirito Santo" manches Wertvolle; vor allem aber enthält die Erzählung des Brasilianers Graya Aranha „Chanaan" sehr anschauliche Darstellungen. Im übrigen sind nur einige kleinere Schriften erschienen: Reise- beschreibungen oder Aufsätze hauptsächlich kirchlichen Inhalts, von denen die Artikel des Pfarrers Grimm (früher in Jequitibä) besonders beachtenswert sind. Vorarbeiten auf geographischem, meteorologischem, agronomischen, medizinischem Gebiet sind so gut wie gar nicht vorhanden, so daß ich gezwungen war, in dieser Beziehung meine fachliche Kompetenz zu überschreiten.
Eine ganz unschätzbare Quelle stellen die Kirchenbücher dar, die fast von Anfang an mit bewundernswerter Gewissenhaftigkeit in allen Gemeinden geführt worden sind. Sie haben meinen bevölkerungs- statistischen Untersuchungen als Grundlage gedient.