Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
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Englische Angriffe. Handel.

folgten. In den Philippinen erfolgte aber nun ein neuer blutiger Aufstand der Eingeborenen und die Niedermetzelung vieler Missionare. -

Diese unaufhörlichen Kämpfe mit den Eingeborenen, Streitig- , leiten der Behörden und Kolonisten untereinander, kirchliche Wirren i füllen die Zeit bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts aus. Für' Förderung des Landbaues und Handels geschah sehr wenig. Das 4 Wichtigste war der Abschluß von Verträgen, welche den Verkehr der Inseln mit verschiedenen chinesischen Häfen wieder belebten. Von Seiten Hollands, dessen Macht damals immer mehr sank, wurde die Z Kolonie nicht mehr beunruhigt. Dafür erstand ihr zu Anfang dcsj>° 18. Jahrhunderts ein neuer Feind in England. 1704 erschienen zum t -ersten Male englische Kreuzer in ihren Gewässern und griffen die ^ Spanier an. 1710 machten sie den vergeblichen Versuch, das nach - Mexiko fahrende jährliche Geschwader abzufangen. Es scheint, daß ^ der Mißerfolg dieser ersten Angriffe die englischen Seefahrer ab- ^ geschreckt hat. Wenigstens unternahmen sie von da an lange Zeit! ^ keinen weiteren Handstreich gegen die Philippinen. Entdeckungsfahrten j mach anderen Inselgruppen des Stillen Oceans, Missionsversuche, ! Streitigkeiten mit der Geistlichkeit, Kämpfe mit Seeräubern sind - neben Prozessen gegen bestechliche und ungetreue Beamte die einzigen ^ nennenswerthen Ereignisse in der Geschichte der Kolonie während der nächsten Zeit. Der spanische Einfluß wurde nacheinander auf -die Palaos-, Carolineninseln und andere Archipele ausgedehnt.

Von größerer unmittelbarer Bedeutung für die Philippinen - war ein königliches Dekret vom 8. April 1734, welches ihnen die Einfuhr von Seidenwaaren aus Ostasien nach Amerika gestattete. Lange Zeit hindurch war der Kolonie nämlich dieser Handel wie die Einfuhr ostasiatischer Waaren überhaupt nach dem spanischen Amerika fast verboten gewesen. Cadiz und Sevilla, welche mit den billigen ^ chinesischen Waaren in Amerika nicht konkurriren konnten, hatten zu Anfang des 17. Jahrhunderts dieses Verbot durchgesetzt. Es war - 1>en Bewohnern der Philippinen nur noch gestattet worden, ostasiatische Waaren im Werthe von 250 000 Pesos jährlich nach Amerika über den Hafen Acapulco in Mexiko, von wo allein der Verkehr mit den Inseln des Stillen Oceans stattfand, einzuführen. Als infolge dieser Maßnahme der Handel der Philippinen so sehr zurückging, daß gegen Mitte des 17. Jahrhunderts nicht einmal die drei Galeonen der Jahresflotte Ladung fanden, wurde 1702 der Betrag der er-