Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
Entstehung
Seite
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Zweites Kapitel. ü

Größer noch als die Machtsphäre der Vizekönige Mexikos war ^ diejenige der Leiter der peruanischen Verwaltung. Ihnen unter­standen außer Peru auch Quito, Chile, Charcas, Neu-Granada und Argentinien, wo nur Generalkapitäne die Geschäfte führten. Sie bezogen zu Anfang des 17. Jahrhunderts 30 000 Dukaten Gehalt - und genossen hohe Ehrenrechte. Aber ihr Einfluß war hier ebenso ' wenig wie in Mexiko groß genug, um die Durchführung der Gesetze j > jederzeit erzwingen und der Verderbtheit des Beamtenthums steuern ! zu können. Ein 1603 ergangenes Gesetz zum Schutze der Ein- ! geborenen blieb todter Buchstabe. Es kam dazu, um die Lage der ' ! Indianer stets trauriger zu gestalten, daß die ewigen Geldforderungen ! der spanischen Regierung die Auflegung drückender Abgaben und eifrigen Minenbetrieb nöthig machten.

Angriffe holländischer Flotten auf Küstenplätze ereigneten sich in ^ Peru schon im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Die Ver­waltung hatte nicht allein mit Abwehr solcher äußeren Feinde, sondern auch gegen Erhebungen indianischer Stämme und mit Streitigkeiten » der Kolonisten untereinander zu kämpfen. «

Ein Ereigniß von allgemein kulturhistorischer Bedeutung war es, als 1628 ein Jesuitenmissionar der am Fieber erkrankten Vize­königin, Gräfin Chinchona, Rinde des Chinabaumes, die er Indianern verdankte, brachte und sie damit heilte. Das Chinin trat damit in die Reihe der europäischen Arzneimittel! — 1637 wurde zum dritten Male der Amazonenstrom von Ouito aus besucht und bis zu seiner j Mündung befahren, diesmal durch zwei Mönche. — Gegen Mitte des Jahrhunderts wurden die peruanischen Häfen befestigt und eine ! Anzahl von Schiffen zum Schutz des Handels erbaut.

Zu Gunsten der unglücklichen Indianer Perus erhob sich endlich im Jahre 1657 eine Stimme. Der Licentiat Juan de Padilla ver­faßte einen eingehenden Bericht über die ungesetzliche und grausame Behandlung der Leute und wies nach, daß weltliche und geistliche Behörden die gleiche Schuld dabei trügen. Von allen gesetzlichen . Vorschriften würde keine beachtet. In manchen Dörfern wären alle! Männer zur Zwangsarbeit fortgeführt. Knaben bis zum Alter von > acht Jahren würden weggenommen und als Sklaven behandelt, Weder die Kosten des Marsches zu den Minen noch irgend ein Lohn ^ -