Zweites Kapitel. ü
Größer noch als die Machtsphäre der Vizekönige Mexikos war ^ diejenige der Leiter der peruanischen Verwaltung. Ihnen unterstanden außer Peru auch Quito, Chile, Charcas, Neu-Granada und Argentinien, wo nur Generalkapitäne die Geschäfte führten. Sie bezogen zu Anfang des 17. Jahrhunderts 30 000 Dukaten Gehalt - und genossen hohe Ehrenrechte. Aber ihr Einfluß war hier ebenso ' wenig wie in Mexiko groß genug, um die Durchführung der Gesetze j > jederzeit erzwingen und der Verderbtheit des Beamtenthums steuern ! zu können. Ein 1603 ergangenes Gesetz zum Schutze der Ein- ! geborenen blieb todter Buchstabe. Es kam dazu, um die Lage der ' ! Indianer stets trauriger zu gestalten, daß die ewigen Geldforderungen ! der spanischen Regierung die Auflegung drückender Abgaben und eifrigen Minenbetrieb nöthig machten.
Angriffe holländischer Flotten auf Küstenplätze ereigneten sich in ^ Peru schon im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Die Verwaltung hatte nicht allein mit Abwehr solcher äußeren Feinde, sondern auch gegen Erhebungen indianischer Stämme und mit Streitigkeiten » der Kolonisten untereinander zu kämpfen. «
Ein Ereigniß von allgemein kulturhistorischer Bedeutung war es, als 1628 ein Jesuitenmissionar der am Fieber erkrankten Vizekönigin, Gräfin Chinchona, Rinde des Chinabaumes, die er Indianern verdankte, brachte und sie damit heilte. Das Chinin trat damit in die Reihe der europäischen Arzneimittel! — 1637 wurde zum dritten Male der Amazonenstrom von Ouito aus besucht und bis zu seiner j Mündung befahren, diesmal durch zwei Mönche. — Gegen Mitte des Jahrhunderts wurden die peruanischen Häfen befestigt und eine ! Anzahl von Schiffen zum Schutz des Handels erbaut.
Zu Gunsten der unglücklichen Indianer Perus erhob sich endlich im Jahre 1657 eine Stimme. Der Licentiat Juan de Padilla verfaßte einen eingehenden Bericht über die ungesetzliche und grausame Behandlung der Leute und wies nach, daß weltliche und geistliche Behörden die gleiche Schuld dabei trügen. Von allen gesetzlichen . Vorschriften würde keine beachtet. In manchen Dörfern wären alle! Männer zur Zwangsarbeit fortgeführt. Knaben bis zum Alter von > acht Jahren würden weggenommen und als Sklaven behandelt, Weder die Kosten des Marsches zu den Minen noch irgend ein Lohn ^ -