Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
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Kolumbien.

hatten, da dort die Lebensbedingungen bessere waren. Er versuchte nun die Stadt wieder aufzubauen, da es wichtig war, einen Ort näher an der Küste zu besitzen, doch scheiterte Alles wieder an An­griffen der Eingeborenen.

Weitere Versuche betrafen das Vordringen nach Peru. Sie scheiterten ebenso wie die früheren, und schließlich empörten sich die Kolonisten, setzten de Vaca gefangen und schickten ihn nach Spanien, während sie den Offizier Jrala als Gouverneur ausriefen. Ihm gelang es, bis zu einem Punkte im Innern vorzudringen, der schon zu Peru gehörte. Der dortige Statthalter Gasca befahl ihm aber. umzukehren. Er ging nach Asuncion zurück und gewann nun alle Sympathien, indem er Repartimientos von Land und Eingeborenen vertheilte. Die Besiedelung machte von da an rasche Fortschritte. 1547 wurde Asuncion Sitz eines Bischofs, die Städte Ciudad Real und Santa Cruz entstanden und auch am unteren Lauf des Stromes wurden Ansiedelungen gegründet. Ein besonderes Verdienst hat sich Jrala erworben, indem er eifrig die eheliche Verbindung zwischen Spaniern und Eingeborenen förderte und damit eine eigene lebens­fähige Bevölkerung schuf, welche sich gedeihlich entwickelte Er starb 1557.

Fünftes Kapitel.

An der Gründung der Staaten Venezuela und Kolumbien sind in hervorragender Weise deutsche Männer betheiligt gewesen. Die Küste Venezuelas, das Perlenland, der zuerst entdeckte Theil des Festlandes, war, wie früher geschildert, wiederholt von beutegierigen Spaniern aufgesucht worden. Sie hatten aber gegenüber den streit­baren Eingeborenen ebensowenig Erfolg gehabt, wie die Mönche und Las Casas, welche hier Niederlassungen versucht hatten. Nur im Osten hielten sich einige dürftige Ansiedelungen auf den der Küste benachbarten Inseln. Im Westen wurde ein kleiner Ort, Coro, zuerst im Jahre 1525 von einem Zuckerplantagenbesitzer Ampies gegründet. Fortdauernd erhielt sich aber das Gerücht, daß der Meerbusen von Maracaybo den Zugang zu einem goldreichen Lande bilde und daß dort irgendwo eine Wasserstraße nach dem Stillen Ocean vorhanden sei. Diese beiden Umstände bewogen den Ver-