Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
Entstehung
Seite
309
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Dritter Theil.

Aie IndianerschuHgesehe und ihre Wirkungen.

Erstes Kapitel.

Wn Spanien erregte der ganze Gang der Dinge in Peru wie anderweitig schon lange großes Mißfallen. Abgesehen von den ewigen Kämpfen der Eroberer untereinander machten die Nachrichten über die grausame Behandlung und Ausrottung der Eingeborenen böses Blut. Es war bekannt, daß nicht selten harmlose friedliche Indianer mit Bluthunden gehetzt wurden, nur um ihren weißen Besitzern ein Vergnügen zu gewähren. Nicht minder wußte man von den rücksichtslosen Ausschreitungen gegen die indianischen Mädchen und Frauen, der harten Knechtung der Eingeborenen in den Minen, der gedankenlosen Ausrottung der Lamaherden und der Proletari- sirnng der landbauendcn Bevölkerung. Einzelne Missionen nahmen sich zwar der Indianer an und erleichterten ihr Loos, aber viele Klöster in Peru bestellten selbst ihre weiten Ländereien durch Sklaven und kümmerten sich nicht um ihr Wohl. Mehr als eine Klageschrift über diese Mißwirthschaft war an den spanischen Hof gerichtet worden, aber ohne Erfolg. Da nahm sich der bejahrte Las Casas nochmals der Sache an und überreichte 1542 Karl V. eine aus­führliche Arbeit über die Ausrottung der Indianer.

Der Kaiser nahm daraus Veranlassung, eine Versammlung von Juristen und Theologen im selben Jahre noch nach Valladolid zu berufen, um zusammen mit Las Casas ein neues Gesetz über die Behandlung der Eingeborenen aufzustellen. Las Casas vertrat bier wiederum sehr energisch den Anspruch der Indianer, als Freie be­handelt und von der Krone beschützt zu werden. Er begründete das