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Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
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Mittelamerika.

Drittes Kapitel.

Auch in Mittelamerika vollzog sich die Einführung der Las Casasschen Gesetze von 1543 nur mit den größten Schwierigkeiten. Hier war, wie in Westindien, die Behandlung der Indianer von jeher ganz besonders grausam gewesen. In Guatemala sollen in den ersten 15 Jahren vier bis fünf Millionen Eingeborene umgekommen sein. Der spanische Hof hatte wiederholt gegen die rücksichtslose Behandlung der Leute Maßregeln getroffen. Am 17. November 1526 wurde der Menschenraub und das Brandmarken als Sklave strengstens verboten und Freilassung aller mit Unrecht zu Sklaven gemachten Leute angeordnet. Bei Expeditionen sollten stets zwei Geistliche mit­genommen werden, um Ausschreitungen gegen die Indianer zu ver­hindern. 1529 erging ein neues Gesetz, welches die Ertheilung neuer Encomiendas und neue Sklavenerklärungen verbot, die Rechte der Kaziken sicherstellte und Wegnahme des Landes der Eingeborenen sowie ihre Berwendung als Lastthiere unter Strafe stellte. 1533 wurden als Höchstbetrag für Lasten, die ein Indianer tragen sollte, zwei Arobas festgesetzt, 1536 das Tragen von Europäern in Hänge­matten, und das Bewohnen indianischer Dörfer durch sie oder Neger untersagt. 1538 wurde den Kaziken der Verkauf ihrer Unterthanen verboten, 1541 der Verkauf von Eingeborenen durch Encomienderos unter exemplarische Strafe gestellt.

Von alledem aber wurde nichts ausgeführt, die Spanier be­handelten jederzeit die Eingeborenen schlimmer als das Vieh. Die Gesetze von 1543 erschienen daher auch hier als etwas vollständig Neues und erregten größtes Aufsehen. Das Entsetzen wuchs, als der nack Peru reisende Nuüez Vela sofort eine Menge Sklaven freigab und den ihm mit Vorstellungen nahenden Kolonisten den Strang androhte. Man fügte sich hier wie auf den Inseln notgedrungen wenigstens in einigen Punkten den Vorschriften. Aber allenthalben begann es zu gähren. 1550 stellten sich zwei Brüder Contrera in Nicaragua an die Spitze der unzufriedenen Ansiedler. Sie beschlossen sich von Spanien loszusagen und Südamerika an sich zu reißen. Sie sammelten eine Menge Leute um sich, ermordeten den Bischof, von dem sie Widerstand fürchteten, eroberten die Stadt Granada, zerstörten die Schiffe auf dem Nicaraguasee, um dem Bekanntwerden der Revolution vorzubeugen und bemächtigten sich dann aller Fahr-