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Tod des Kolumbus und der Königin.
decker. Erst im Sommer 1505 gelang es ihm, den König Ferdinand zu sehen; eine Erfüllung der ihm früher gegebenen Zusagen erreichte er aber nicht. Man vertröstete ihn, versprach Untersuchung und dergl., ließ aber seine zahlreichen Eingaben ohne Antwort. Am 20. Mai 1506 starb er halb vergessen und verlassen in Valladolid.
Viertes Kapitel.
Der Tod der wohlwollenden, kräftigen und klugen Königin Jsabella ist auch auf das Schicksal der gestimmten spanischen Kolonisation von entscheidendem Einfluß gewesen. Sie allein hatte für die Indianer menschliches Fühlen gehegt und nach Kräften der unklugen, zu rücksichtslosen Ausbeutung der Kolonien entgegengearbeitet.
In ihrem letzten Willen hatte sie bestimmt:
„Ich bitte meinen Herrn den König herzlichst und befehle es meiner Tochter Johanna, daß sie demgemäß handeln und daß die Bekehrung der Indianer ihr erstes Ziel bildet, und daß sie darauf größte Sorgfalt verwenden, und daß sie nicht dulden oder veranlassen, daß den Indianern dieser Inseln oder des Festlandes in ihrer Person oder ihrem Eigenthum irgend welches Unrecht widerfahre, sondern daß sie befehlen, daß sie gut und gerecht behandelt werden. Und wenn die Indianer irgend ein Unrecht erlitten haben, so sollen sie dem abhelfen und darauf achten, daß in keinem Punkte das verletzt wird, was in der Konzession (des Papstes) vorgeschrieben ist."*)
Die Grausamkeiten Ovandos hatten sie tief entrüstet und sie war entschlossen, ihn streng zu bestrafen. Nur ihre schwere Erkrankung und der Tod hinderten sie daran. Abgesehen von dem Erzählten hatte nämlich der Statthalter Hispaniolas schändliche Blutthaten in Laragua ausgeübt, wo die Eingeborenen Unzufriedenheit zeigten. Die Königin
*) Es hieß in dieser Beziehung in der Bulle vom 4. Mai 1495: „Ihr sollt die Völker, welche diese Inseln und Kontinente bewohnen, bewegen, den christlichen Glauben anzunehmen." „Wir legen Euch aus .Herz . . . Euerm Versprechen gemäß .... ehrenhafte Männer auszuwählen und nach den Inseln und Kontinenten zu schicken, Männer, die Gott fürchten, unterrichtet, geschickt und geeignet, den Bewohnern und Eingeborenen den katholischen Glauben zu lehren und sie zu guten Sitten zu erziehen."