Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
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Kolumbus gefangen heimgesandt.

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vorgefundenen Geld alle rückständigen Zahlungen zu leisten begann. Offen erklärte er, daß er den Admiral in Fesseln Heimsenden werde.

Kolumbus glaubte, als er im Innern die ersten Meldungen bekam, nicht recht an die Vollmachten des Kommissars. Als er aber aus den ihm übersandten Schriftstücken den Ernst der Lage ersah, suchte er Zeit zu gewinnen und seine Autorität aufrecht zu erhalten. Erst als er einen direkten königlichen Befehl erhielt, sich dem Kom­missar zu fügen, begab er sich nach Sän Domingo. Bobadilla ver­fuhr hier mit ihm aufs Rücksichtsloseste. Ohne jede Untersuchung ließ er ihn auf der Stelle gefangen setzen, nachdem er schon vorher Don Diego auf einem Schiff in Eisen gelegt hatte. Kolumbus war so gebrochen durch diese unerwartete und unverdiente Behandlung, daß er auf Bobadillas Befehl auch seinen Bruder Bartholomeo bewog, sich freiwillig zu stellen. Auch dieser wurde gefesselt auf ein Schiff gebracht. Die Kolonisten zeigten keinerlei Sympathie für die gestürzten Männer. Sie bejubelten vielmehr ihren Fall. Der Kommissar hatte mit einem Schlage alle Herzen gewonnen durch eigenmächtige Freigabe des Goldsuchens gegen den elften Theil des Gewinns.

Im Oktober 1500 segelten die Schiffe mit Kolumbus und seinen Brüdern als Gefangenen an Bord nach Spanien. Es ist oft genug erzählt worden, wie ersterer, als der Kapitän ihm die Fesseln abnehmen wollte, das nicht zuließ und in Eisen das undankbare Vaterland betreten hat. Doch hatte er Vorsorge getroffen, daß eine eingehende Rechtfertigung und Klage seinerseits vor den Berichten des Kommissars an den Hof gelangte. Sein Erscheinen als Ge­fangener erregte, wie er erwartet, außerdem größtes Aufsehen und Mitleid in Spanien. Die Königin gab denn auch auf der Stelle Befehl, ihn freizulassen und seinem Range gemäß zu behandeln. Er wurde am 17. Dezember in Granada vom Königspaar gnädig empfangen. Bobadillas Vorgehen wurde als eigenmächtig bezeichnet und Erneuerung seiner Privilegien versprochen.

Aber bei diesen mündlichen Gunstbezeugungen hatte es vor der Hand sein Bewenden. Der König hatte doch innerlich lebhafte Bedenken, den Admiral bei seiner Unbeliebtheit nach Hispaniola zurückzusenden, und er wollte sich auch in Bezug auf weitere Ent­deckungsfahrten in der neuen Welt nicht mehr die Hände binden. Denn schon begannen Portugiesen, Engländer und Franzosen Versuche

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