Bestrebungen in Indien.
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t muthe dieser kleinen Nation seine höchste Bewunderung zu zollen, k Kaum hat ein zweites Volk jemals mit solcher Schnelligkeit riesige s alte Kulturreiche erobert und dauernd in Besitz genommen. Es kam
- Portugal dabei allerdings im höchsten Maße zu statten, daß die Portugiesen tropisches Klima sehr gut vertragen und sich ohne Weiteres in allen heißen Ländern anzusiedeln und zu vermehren vermögen. Nur auf diese Weise war es dem kleinen Staate möglich, so große Weltstrecken in so kurzer Zeit zu besetzen und zu behaupten. Leider kann dasselbe Lob nicht der eigentlichen kolonialen Politik Portugals ertheilt werden. Es hat außer etwa in Brasilien nie den Versuch
' gemacht, die eroberten Länder sich wirklich vollständig zu eigen zu machen und zu civilisiren. Sein Ziel war vielmehr eine brutale Ausbeutung der Kolonien. Afrika galt ihm lediglich als Lieferant von Sklaven. Goldstaub, Elfenbein; Indien als der theuerer Gewürze und Droguen. Seine Bemühungen beschränkten sich darauf, diese Quellen sich im Alleinbesitz zu erhalten. In zweiter Linie war allerdings auch der Wunsch wirksam, das Christenthum auszubreiten,
- doch war dazu Portugal jedes, selbst das barbarischste Mittel recht, ^ wenn nur seine politischen und materiellen Interessen nicht beeinträchtigt wurden.
Es zeigt sich das sowohl in der Anlage der portugiesischen Stationen, als in der Organisation der Verwaltung, dem Finanz- ^ wesen und der gesammten Politik. Das erste Augenmerk der portu- - giesischeu Regierung war Besetzung der das Meer und die für den Handel wichtigsten Gegenden beherrschenden Orte. Sie in die Hände zu bekommen, wurde kein Opfer gescheut. Dann wurde jede Konkurrenz im Handel, wie die seitens der Araber, rücksichtslos " vernichtet und die Eingebornen genöthigt, sich in jeder Beziehung der ^ Vermittelung der Portugiesen zu bedienen. Man wollte den Gewürzhandel für die ganze Welt förmlich monopolisiren und die Preise nach Belieben gestalten. Die ganze portugiesische Politik war nach diesem Ziele gerichtet. Die Venetianer und andere Mittelmeer
staaten, welche bisher die indischen Waaren nach Europa gebracht hatten, wurden mit Gewalt verdrängt. Den Spaniern gegenüber > wurde Gewalt und diplomatische Kunst in gleichem Maße angewendet, ü Andere seefahrende Völker suchte man durch strenges Geheimhalten A der Schifffahrtsverhältnisse und fabelhafte Schilderungen der Ge- Aj fahren der Reise fern zu halten, ganz wie es einst seitens der