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Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
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Portugiesische Revolution.

das aufgebrachte Geld zu genügenden Rüstungen doch nicht aus. Die portugiesisch-spanische Macht in Indien war damals schon so heruntergekommen, daß 1637 die englisch-ostindische Kompagnie dem Vizekönig vorschlagen konnte, den portugiesischen Handel nur noch auf englischen Schissen zu treiben! Als nun gar die Holländer sich zu neuen Angriffen auf Goa, Malakka und Ceylon anschickten, war die Ueberzeugung, daß sie dem Angriff unterliegen würden, so all­gemein, daß die Engländer und selbst die Dänen den Spaniern gegen entsprechende Zugeständnisse Hülfe anboten, um nicht die Holländer zu mächtig werden zu lassen. Der Vizekönig lehnte trotz seiner Ohnmacht alle diese Anerbietungen ab. Die Folge war eine vollständige Niederlage seiner Truppen in Ceylon und Verlust der Stadt Batticaloa an die Holländer. 1638 war der ganze Handel von Cochinchina bis zur Snndagruppe ausschließlich in der Letzteren Händen. In Cochinchina und Tonkin besaßen sie große Faktoreien, ebenso am Amoyflnsse bei Formosa. Andere Niederlassungen hatten sie in Cambodja, Siam, Borneo, Amboina, an der Bai von Ben­galen, Persien, am Rothen Meere u. s. w. Der Vizekönig kam daher allmählich zu der offen ausgesprochenen Ueberzeugung, daß, falls Spanien nicht zu einer großen Kraftanstrengung gegen Holland in der Lage sei, nur die Aufgabe Indiens übrig bleibe! Ende 1638 wurde Goa wieder monatelang von holländischen Schiffen blockirt und die Goanesen konnten nur noch in Ruderbooten an der Küste, wo die großen Schiffe nicht zu fahren vermochten, Handel treiben. Im folgenden Jahre verbrannten die Holländer einige portugiesische Schiffe im Hafen von Goa. 1640 konnte der Vizekönig aus Mangel an Geld und Menschen keine Flotte mehr nach Hause schicken.

Drittes Kapitel.

H640 bis l8l5.

Die Vernachlässigung der portugiesischen Kolonien durch Spanien war ein nicht unwichtiges Moment bei dem Wachsen der Unzufrieden­heit der Portugiesen mit der spanischen Regierung. Ende 1640 brach in Portugal eine Revolution aus. Die Regentin wurde gefangen und der Herzog von Braganza als Joäo IV. zum König gekrönt.