Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
Entstehung
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Waide zum zweiten Male Vizekönig.

verpfändete. Ueberall zeigten sich schon Spuren des Verfalls der portugiesischen Herrschaft. Am meisten in den Molukken, wo die ^ Willkür und Grausamkeit der portugiesischen Kommandeure eine i allgemeine Empörung erregt hatte. In Ternate wurde ihr Fort von den Eingeborenen erobert und die Besatzung ausgetrieben. Die ^ Herrschaft Barettos endete 1576. Die Dreitheilung hatte sich in t keiner Weise bewährt. In Malakka folgte ein Unfall dem anderen ! und auch in Ostafrika erzielte man nichts weniger als Erfolge. Bemerkenswerth ist aus dieser Zeit höchstens, daß damals der Fran­ziskaner Alfaro zum ersten Male nach China gelangte und in Canton Mission zu üben begann.

Der zum Nachfolger Moniz Barettos ernannte Lourenzo

de Tavora starb auf der Reise. Es führte daher längere Zeit die

Geschäfte Diego de Menezes. An seiner Stelle ordnete König

Sebastiüo 1577 zum zweiten Male den schon bewährten Dom Luiz d'Ataide nach Goa ab. Es geschah aber weniger seiner Tüchtigkeit wegen, als um diesen etwas unbequemen und zu mächtigen Rath­geber loszuwerden. Im August traf er in Indien ein. Sein bloßes Erscheinen genügte, um alle hier an verschiedenen Orten entstandenen ^ Wirren zu schlichten. Er faßte sofort neue Pläne ins Auge. Ver­schiedene Zwiste in den wichtigsten indischen Staaten boten die

Aussicht auf neue große Erweiterungen der portugiesischen Macht. !

Zweites Kapitel.

H580 bis H6H0.

Allen diesen Plänen machten aber unvorhergesehene Ereignisse in Europa ein jähes Ende. Im August 1578 verscholl König SebastiLo !

in einer unglücklichen Schlacht, die er im Verlauf eines großen Feld- '

zuges gegen Marokko den Mauren lieferte. Er hinterließ keinen ^ Sohn, nur ein Großoheim, der Kardinal Dom Henriquö, kam für die Nachfolge in Betracht. Das Land war erschöpft. Die vielen über­seeischen Unternehmungen, besonders die letzte kostspielige Expedition gegen Marokko, hatten seine Finanzen schwer zerrüttet. Dom Henrique ließ sich zum König krönen, aber er war 66 Jahre alt und besaß auch keinen direkten Erben. Eine große Unsicherheit bemächtigte sich