Die tropischen Hautkrankheiten.
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das Ainhum.
Das Übel besteht im spontanen Verlust einer oder beider fünften Zehen; ganz ausnahmsweise sollen auch andere Zehen oder mehrere Zehen abgestoßen werden. Der Verlust kommt dadurch zustande, daß eine teilweise oder ganz das Glied umfassende schmale granulierende Wunde immer weiter in die Tiefe dringt und schließlich auch den Knochen durchsetzt, so daß das Glied abfällt.
Das Ainhum ist an der Westküste des äquatorialen Afrika zu Hause; es wurde dort zuerst 1860 von Claiik an der Goldküste beobachtet und als „gangrene seche du petit orteil“ bezeichnet. Später begegnete man ihm auch im Sudan, in Algier in Ägypten, in Uganda, in Madagaskar, auf Nossi-Be, in Reunion und in Nord-Transvaal. — Sehr selten ist es bei den Hindu in Ostindien, im französischen I n d o - C h i na, auf Java und an der chinesischen Küste; ebenso selten scheint es — wenigstens gegenwärtig ■— in Südamerika zu sein; in Brasilien wurde es 1867 von da Silva Lima beschrieben. Vereinzelt wurde es auch auf den Antillen und im Süden der Vereinigten Staaten, auf Neu- C a 1 e d onien und den Gilbertinseln beobachtet. De Brun will Ainhum neuerdings sogar zweimal bei Eingeborenen semitischer Abkunft in Syrien gesehen haben (Jeanselme). Im allgemeinen befällt das Leiden ausschließlich die dunkelpigmentierten Rassen und vor allem die Neger.
Der Vorgang des Gliedverlustes wird verschieden dargestellt. Noch gegenwärtig wird mehrfach von einem neugebildeten „Bindegewebsring“ gesprochen, dessen Schrumpfen das Glied einschnüren und dadurch Ernährungsstörungen hervorrufen soll. Andere Untersucher, wie Collas, da Silva Lima, Corre, de Brun, Dal- getty u. a. ziehen Nerveneinflüsse heran, um die merkwürdige Erscheinung zu erklären.
Sie fanden nämlich gleichzeitig andere, zweifellos auf Innervationsstörung beruhende Veränderungen, als: rauhe, trockene, verlärbte Haut, Abschuppung, Mißgestalt der nicht vom Ainhum befallenen Zehen, Schwund der Muskulatur des Unterschenkels, Störungen der Sensibilität, Fehlen der Reflexe usw. — In den Fällen von unzweifelhaftem Ainhum, welche ich in Kamerun beobachtete, fehlten alle derartigen Symptome seitens des Nervensystems vollkommen, und es ist wohl sehr die Frage, ob es sich überall wirklich um Ainhum gehandelt hat, wo jene Nebenbefunde angegeben sind, und nicht vielmehr um lepröse Dystrophien. Die Lepra wird bekanntlich von einigen Autoren als die ausschließliche Ursache des Ainhum betrachtet. Manche Schilderungen erinnern auch an gewisse Formen des von mir als „Pseudolepra“ beschriebenen Krankheitsbildes; besonders, wenn der Verlust mehrere Zehen betrifft. Auch das Eindringen des Sandflohs (Pulex penetrans) kann bei mangelnder Sorgfalt zu vollständigem oder teil weisem Verlust ganzer Zehen führen.
In den von mir beobachteten reinen Fällen von Ainhum war die letzte Ursache eine Entzündung. Die beiden Endphalangen der fünften Zehe sind auch beim gesunden Neger sehr oft stark verdickt, so daß sie zusammen einem rundlichen kleinen Knollen gleichen. Infolge dieser einfachen Hypertrophie, welche alle Bestandteile des Gliedes gleichmäßig betrifft, bildet sich eine besonders tiefe Beugefalte an der plantaren Seite der Zehenwurzel aus und umfaßt diese zuweilen auch noch beiderseits in beschränkter Ausdehnung. In dieser Falte werden Schweiß, Saud und Unreinlichkeiten ständig zurückgehalten. Die zarte Haut in ihrem Grunde wird infolgedessen mazeriert und verletzt, und es entsteht eine Rhagade, welche beim Fortwirken der Schädlichkeiten immer tiefer greift und, entsprechend dem Verlauf der Beugefalte, die Zehenwurzel seitlich umfaßt. Wahrscheinlich werden dann schließlich die Gefäße von dem Entzündungsprozeß erreicht; es kommt zuerst
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