Eine Studienreise
nach Deutsch-Ostafrika,
von Professor Dr. A. VOIGT (Hamburg).
Der Zweck der Studienreise, über die hier kurz berichtet werden soll, war, die Nutzpflanzen der Tropen an Ort und Stelle kennen zu lernen. Wenn auch hierfür die alten Kolonialbesitze der Engländer und Holländer in Ost- und Westindien vielleicht geeigneter gewesen wären, so war doch durch den Besuch von Deutsch-Ostafrika zugleich die Gelegenheit geboten, deutsche überseeische Besitzungen und ihre Entwicklung kennen zu lernen. Ende August 1909 wurde nach 26tägiger Fahrt Tanga, der nördlichste Hafen Deutsch-Ostafrikas erreicht. Der erste längere Aufenthalt galt dem Landwirtschaftlich-biologischen Institut Amani. Diese Anstalt wurde 1902 zur „Förderung der Landwirtschaft gegründet. Sie liegt etwa eine Tagereise von der Küste in den östlichen Ausläufern des Usambaragebirges auf etwa 900 m Höhe. Man gelangt dorthin zunächst mit der Usambarabahn, die man nach etwa 2-3 stündiger Fahrt bei einer der am Fusse des Gebirges liegenden Stationen verlässt. Man hat dann das steil abfallende Gebirge zu erklimmen und erreicht nach ungefähr vierstündigem Marsche auf gut angelegten Urwaldpfaden das Institut. Von der Station Tengeni kann man die Nebenbahn der Sigi-Holzgesellschaft benutzen, die auf 23 km langer Strecke hart an den Fuss des Berges fährt, auf dem Amani gelegen ist. Von dort steigt man in einer guten Stunde auf wohlgepflegten Wegen, die von Zeit zu Zeit herrliche Ausblicke in die Landschaft bieten, bequem hinauf. Die Gebäude des Instituts sind auf mehreren schmalen Sätteln des von jungfräulichem Urwalde dicht bestandenen Gebirges errichtet (fig. 1). Ausser den Wohnhäusern für die Beamten finden sich dort ein chemisches, ein botanisches und ein zoologisches Laboratorium, ein Bibliotheksgebäude und ein Verwaltungsgebäude für Post und Sekretariat. Ausserdem ist ein Fremdenhaus vorhanden zur Aufnahme von Leuten, die sich Studien halber in Amani aufhalten wollen. Das Haus enthält 5 Schlafräume mit etwa 8 Betten, einen Salon und ein gemeinsames Esszimmer sowie eine um das ganze Haus angelegte Veranda. Für den Aufenthalt zahlt man für Wohnung und Verpflegung Mk. 6,50 den Tag. An wissenschaftlichen Beamten sind in Amani zwei Botaniker, zwei