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Tropenhygiene : mit spezieller Berücksichtigung der deutschen Kolonien ; ärztliche Ratschläge für Kolonialbeamte, Offiziere, Missionare, Expeditionsführer, Pflanzer u. Faktoristen ; 21 Vorträge / von Friedrich Plehn
Entstehung
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Achtzehnte Vorlesung.

Tropisches Stationsleben.

Charakter desselben. Tageseinteilung. Körperliche und geistige Leistungs­fähigkeit. Nützlichkeit körperlicher Bewegung. Exzesse in Baccho et Venere und ihre gesundheitlichen Gefahren.

Eins der wichtigsten Kapitel der Tropenhygiene betrifft die Lebensführung des Einzelnen in ihren vielfachen Be­ziehungen zum heißen Klima sowohl wie zu den rein sozialen Verhältnissen des Auslandlebens. Die letzteren haben in der Tat praktisch eine weit größere Bedeutung für die Beur­teilung der Frage, ob und in welchem Maß der Europäer den Tropenaufenthalt dauernd zu ertragen vermag, als manche andere Faktoren. Gerade für die Beurteilung dieser Fragen ist ein jahrelanges, praktisches Darinstehen im Tropen­leben nützlich, und das Urteil- von Vergnügungs- oder auch von wissenschaftlichen Reisenden, welche ihre Kenntnis tro­pischer Kolonien während eines mehr oder weniger kurz­dauernden Aufenthalts gewonnen haben und unter dem Ein­fluß einer fremdartigen und vielfach großartigen, anscheinend an reizvoller Abwechselung reichen Umgebung stehen, immer mit einiger Vorsicht aufzunehmen. Aber gerade die oft zu unberechtigter Verallgemeinerung persönlicher Erfahrungen neigenden, auf kurzdauernden starken Eindrücken beruhenden Urteile solcher Reisenden sind wegen ihrer Lebhaftigkeit und Zuversicht häufig bestimmend für den Ausfall des Urteils in der Heimat.

Das Stationsleben in den Tropen steht im allgemeinen unter dem in hygienischer Hinsicht wichtigen Einfluß außer­ordentlicher Gleichförmigkeit und Eintönigkeit. Wie ein Ein­fluß der verschiedenen Jahreszeiten mit ihrem anregenden Reiz für Körper und Geist fast ganz fortfällt und nur der wechselnde Grad der Bewölkung und das Auftreten oder Fehlen des Regens den einzelnen Monaten einen gewissen Charakter verleiht, so fehlt auch im Leben des einzelnen Europäers ein guter Teil des geistigen und körperlichen Reizes, den ein gesunder Wechsel zwischen Arbeit und Er-