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Vierzehnte Vorlesung.
Schlangen- nn<l Pfeilgift in den Tropen.
Die wichtigsten Giftschlangen der deutschen Kolonien. Bedeutung der Verletzungen durch Schlangenbiß. Natur des Schlangengifts. Immunisierung gegen dasselbe. C a 1 m e 11 e s Heilserum. Behandlung von Schlangenbissen. Verbreitung der Pfeilgifte. Verschiedene Arten derselben. Behandlung. Andere Vergiftungen.
Den einfachen Verletzungen, welche uns das vorige Mal beschäftigten, schließt sich die Besprechung jener Verwundungen an, welche durch das gleichzeitig eingeführte Gift ihre besondere Bedeutung erhalten: Die durch den Biß von Giftschlangen und durch Schüsse mit vergifteten Pfeilen gesetzten Läsionen. Der Biß tollwütiger Tiere spielt in unseren Kolonien — im Gegensatz zu anderen Tropen gegen den, z. B. Indien — kaum eine Rolle. Auch Verletzungen durch den Biß von Giftschlangen sind dort im allgemeinen selten. Wir selbst haben während mehrjähriger ärztlicher Tätigkeit in West- und Ostafrika im ganzen kaum ein Dutzend derselben in Behandlung gehabt, obwohl, wie wir überzeugt sind, jeder Gebissene aus einem sehr weiten Umkreis zu uns gebracht worden wäre. In anderen tropischen Ländern, und im speziellen in Indien, ist die Bedeutung der Giftschlangen eine weit größere; religiöse Vorurteile, welche der Tötung der Bestien entgegenstehen, mögen mit dafür verantwortlich sein. Nach den amtlichen Erhebungen betrug die Zahl der durch Schlangenbiß getöteten Menschen in Vorderindien im Jahre 1900 24 621, in Bengalen allein 12 220. Diese Zahl muß als enorm hoch bezeichnet werden, auch wenn man mit der öffentlichen Meinung in Indien annimmt, daß ein nicht ganz unbeträchtlicher Prozentsatz der Todesfälle, welche als durch Schlangenbiß verursacht gemeldet und registriert werden, in Wirklichkeit auf Giftmord beruht und ein guter Teil der getötet eingelieferten Schlangen von den findigen Hindus der Prämien wegen sorgsam gezüchtet und aufgezogen wurde.
Von praktischer Bedeutung sind in unseren afrikanischen Kolonien, und zwar in Südwestafrika, Kamerun und Togo ebenso* wie in Deutschostafrika, vor allem die Puffotter