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und müssen allerhand Rücksicht nehmen. Englandfreundlich ist man in den Burenkreisen wohl nirgends. Ueberall ist die Erinnerung an das Denkmal in Bloemfontein lebendig, das den 23 000 in englischen Konzentrationslagern gestorbenen Frauen und Kindern gewidmet ist. In wohl allen größeren Orten Südafrikas waren kurz vorher die burischen Frauen zu tausenden zu den Magistraten und Ministern marschiert, um die Freilassung des als Rebell eingesperrten De Wet zu erbitten. Doch nicht alle Ortseingesessenen schienen so gesinnt zu sein. Ich wurde gewarnt bei meinen geologischen Ausflügen die Stacheldrahtzäune der einen Besitzung zu überklettern; es war dies die größte Farm, die des wohlhabensten Buren, des Apfelsinenlieferanten für die Postdampfer; oben in den Bergen konnte ich mich nach dieser Warnung nicht richten, es hat mich aber niemand angezeigt. Wir fanden noch Einlaß auf anderen Farmen, hörten die Klagen über Mangel an Feldarbeitern, konnten uns aber überall überzeugen von der sorgfältigsten Pflege der Obst- und Weinanpflanzungen; mit Stolz zeigte man uns die Weinkeltereien und ließ uns von den besten Erzeugnissen an Ort und Stelle Proben nehmen; zu kaufen erhielten wir aber nichts, es wird alles genossenschaftlich geregelt. Soviel war mir klar, daß die Burenbevölkerung dieser Gegend aus braven tüchtigen Menschen besteht, deren Anschauungsweise der der deutschen Bauern sehr nahe steht. Wie oft ich mich auch mit Kennern des Landes unterhalten habe, so verschiedenartig fällt das Urteil über die Buren aus, und man muß sich vor Verallgemeinerungen hüten. Bauernschlauheit kommt auch bei uns vor und die Verschlagenheit und Lust zum „Vernöken“, d. h. zum Übervorteilen, mag sich entwickelt haben durch den Verkehr mit den Eingeborenen. Eine gewisse Trägheit ist das Geschenk des afrikanischen Klimas; die Eigenwilligkeit ist eine Folge der Lebensweise in früheren Zeiten, wo der Bur weit und breit ohne Nachbar sein eigener König, ein König im Kleinen, war. Ob die Unzuverlässigkeit eine allgemeine Eigenschaft ist und unter allen Umständen zu Tage tritt will ich dahingestellt sein lassen. Uns sind die Buren von Bovenvlei wirkliche Freunde geworden.
Inzwischen waren wir von der Kapstadter Polizei benachrichtigt worden, daß die „Erna Woermann“ am 14. Oktober abfahren sollte. Die Angaben schienen so bestimmt, daß ein Zweifel kaum noch möglich war, und doch konnten wir nach den üblen Erfahrungen mit der „Gaika“ Bedenken nicht unterdrücken.
Heimreise.
Freitag, den 8. fuhr ich nach Kapstadt zurück und sprach noch einmal auf der portugiesischen Linie vor. Die „Beira“ sollte am 15. abgehen; wenn es also mit der „Erna“ nichts wurde, lag noch die Möglichkeit vor nach Lissabon zu gelangen und von dort aus weitere Pläne