stehen. Sehr ungünstig erschien es mir für unsere Aussicht in Kapstadt durchzukommen, daß ein jüngerer Kaufmann aus B e i r a, der ursprünglich nach Deutsch-Ost hatte gehen wollen sich auf einmal entschloß, zugleich mit uns nach Lissabon zu fahren. Er war militärpflichtig, ihn würden die Engländer nicht durchlassen, und dadurch wuchs auch die Gefahr für uns beide ältere Leute, die wir zugleich auf dem Schiffe waren. Ich wollte nichts mehr ändern; einen weiteren Monat auf den nächsten Postdampfer zu warten, dazu reichte meine Geduld nicht aus, es konnte ja auch dann noch schlimmer werden. Bei all diesen Entschließungen und der damit verbundenen Aufregung wurden die Zeitungsnachrichten mit Eifer verfolgt. Der Fortgang des Krieges benahm einem den Atem. Am 20. Dezember Nachricht von der Beschießung der englischen Ostküste durch deutsche Schiffe! Am gleichen Abend: Ein entscheidender großer Sieg über die Russen, am 21.: 13 deutsche Schiffe gegen 6 englische Schiffe in der Nordsee verloren; dabei wußte ich meinen Sohn bei der Marine. Das furchtbare Ungewisse ist es, was am meisten angreift. Am 21. Dezember ging es an Bord der „Beira“, die Abfahrt erfolgte aber erst am 22. des Morgens. Es ging der Küste entlang, vielfach so nahe, daß ich die Berge, die Ortschaften erkennen konnte; aber die „Beira“ ist kein angenehmes Schiff. Früher hieß sie „Herzog“ als sie der Ost-Afrikalinie angehörte. Sie war meinen später gewonnenen seemännischen Freunden wohlbekannt. Das Schiff rollte außerordentlich stark; die See war unruhig und der Weg um das Kap hat immer seine Schwierigkeiten. In der 1. Klasse waren wir nur etwa zwölf Gäste, außer uns beiden lauter liebenswürdig erscheinende Portugiesen. Am Heiligen Abend fand eine Art kleiner Feier statt, zu der wir von den Portugiesen geladen wurden; sogar Reden wurden gehalten, es war von „paz u n i v e r s e 1“ die Rede. Die allzu eifrigen Beteuerungen von Kriegslust und Kriegsbereitschaft in den portugiesischen Zeitungen schienen mir nicht übereinzustimmen mit dem, was ich von gebildeten Portugiesen hörte.
Britisch-Südafrika.
Kapstadt.
Am 26. des Morgens, am zweiten Weihnachtsfeiertage, liefen wir in die Tafelbai vor Kapstadt ein. Hier war ruhiges Wasser, hier konnte ich mit demselben Entzücken, wie 27 Jahre vorher bei meiner ersten Südafrika-Reise, den wundervollen Rundblick über die Tafelbai, über Kapstadt selbst, den Tafelberg im Hintergründe und die beiden seitlichen Pfeiler, den Löwenkopf rechts, und den Teufelsberg links genießen. Ich saß jetzt im Rauchzimmer, schaute nach den Bergen hinaus und schrieb in mein Tagebuch: „Wie schade, an Land