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Während des Krieges in Deutsch-Ostafrika und Südafrika : meine Erlebnisse bei Ausbruch des Krieges in Deutsch-Ostafrika, im englischen Gefangenenlager in Südafrika und auf der Rückreise nach Europa ; mit 2 Karten und 9 Abbildungen / von Prof. Dr. G. Gürich, Direktor des Mineralogisch-Geologischen Instituts zu Hamburg
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kannte dieser den Fall und die Besitzer des Fundes; es schie.n Aus­sicht vorhanden das Skelett zu sehen oder zu erwerben. Nach langen Verhandlungen konnte ich später einen Oberschenkelknochen erhalten. Ich weiß nicht, ob jemals mehr von dem Saurierskelett geborgen wor­den ist. Das ist echt afrikanisch; der Fund einiger Knochen gibt die Grundlage für die ganz bestimmt auftretende Nachricht von großartigen Saurierskeletten.

Am dritten Tage der Fahrt verließen wir die kahle, sonnige und doch kalte Hochebene, wir fuhren bergab auf die Küste zu und näherten uns steilen und zackigen Bergreihen. In Wolken waren die Gipfel gehüllt und Neuschnee lag auf den flacheren Gehängen. Gleich­zeitig gewann die Pflanzenwelt ein anderes Aussehen; grüne Kräuter, viele blühende Pflanzen erinnerten an den Frühling in Europa. Allent­halben waren bei der Bahnanlage Felsenanschnitte geschaffen worden, da gab es für den Geologen viel zu sehen. Ueberraschend, ja großartig war namentlich die Fahrt an den Hexriverbergen hinab zu dem gleich­namigen Tale. Vorsichtig mußte der Zugführer die zahlreichen Kurven nehmen, durch starkes Bremsen wurde die Fahrt auf dieser gefähr­lichen Strecke verlangsamt. Unten im Tale von Worcester angelangt, fuhren wir durch reiche Weingegenden, Obstgärten, dann wieder Sand mit Kiefernwäldern und heidekrautartigen Gewächsen, fast wie daheim. Gehörte Natal und die südafrikanische Hochfläche dem Gebiete der Sommerregen an, so gelangten wir jetzt in das Gebiet der Winterregen. Nur zuweilen wurde ein Blick zwischen den tief gehenden Regenwolken frei, wie um die gerundeten Granithügel von Paarl oder die sägezahnför­migen Gipfel der Drakensteinberge erkennen zu lassen. Als wir Berge und Wolken hinter uns hatten, klärte sich über dem flachen Lande der Abendhimmel wieder auf, und bald konnten wir vor uns die gewaltige Felsenmasse des Tafelberges von Kapstadt erkennen, dem wir uns schnell näherten. Mein Reisegefährte wurde auf dem Bahnhofe von dankbaren Patienten mit Jubel begrüßt; er fuhr nach seinem Heim in einem Vororte, ich nach meinem Hotel.

Kapstadt.

Die Annehmlichkeiten des Lebens in der Großstadt kamen mir erst gar nicht zum Bewußtsein; die Sorgen um die Heimreise nahmen mich ganz in Anspruch; am nächsten Tage schon war der Postdampfer fällig. Die Verhandlungen mit der Polizei, mit den Agenturen der Linien zwangen mich zu eiligstem Hin und Her. Der Dampfer sollte pünktlich sein. Mein Paß galt nur bis Madeira, die Linie wollte mich nur mitnehmen, wenn ich bis England führe; der Paß mußte also abgeändert werden, und das war so schnell nicht möglich. Ich mußte die erste Fahrgelegenheit unbenutzt lassen, das gab einen Aufschub