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Während des Krieges in Deutsch-Ostafrika und Südafrika : meine Erlebnisse bei Ausbruch des Krieges in Deutsch-Ostafrika, im englischen Gefangenenlager in Südafrika und auf der Rückreise nach Europa ; mit 2 Karten und 9 Abbildungen / von Prof. Dr. G. Gürich, Direktor des Mineralogisch-Geologischen Instituts zu Hamburg
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Gern hatte ich mich mit meinen Kameraden unterhalten, sei es daß mir der Scherenschleifer aus Johannesburg, der Träger des Namens eines berühmten Physikers seine mathematischen Träumereien über die Entstehung der Welten oder jener Naturmensch, der in seinen harmlosen Mußestunden Aluminiumbecher gravierte, seine bis an die Grenze der Zulässigkeit gehenden Gedankengänge auseinanderzusetzen suchte. Von den Prospektoren ließ ich mirihre letztweilige Mine eingehend schil­dern; die Kaufleute verschafften mir einen Einblick in ihre südafrikani­schen Geschäftserfahrungen. Am liebsten unterhielt ich mich mit Fach­genossen, dem Leiter einer Lüderitzbuchter Diamantenmine und dem schon erwähnten Bergingenieur von Johannesburg.

Allerdings waren auch Unstimmigkeiten zutage getreten; Zwistig­keiten und kleinlicher Streit brachen bei den Wahlen zu den Ehren­ämtern aus. Freilich waren auch einige wenige dabei, die keine reine Vergangenheit hatten, aber im großen ganzen war ich erfreut, daß alles so glimpflich ablief. Daß in unserem Lager ein verhältnismäßig ruhiger Ton herrschte, lag wohl daran, daß bei uns mehr ältere, besonnene Männer waren; in Lager II und namentlich in Lager I mögen mehr jugendliche Brauseköpfe gewesen sein, die leichter zu Ruhestörungen neigten. In ihrer nachlässigen leichten Sommerkleidung machten die Leute um mich herum einen gleichartigen Eindruck. Nur als sie frei­gelassen wurden für die Heimreise, da zogen sie ihre beste Kleidung an, dann änderte sich im allgemeinen das Bild. Kleider machen Leute, aber sie verkleiden auch den Menschen! So manch einer, den ich nach der Unterhaltung niedrig eingeschätzt hatte, ging alsfeiner Mann hinaus. Die schwere Zeit bewirkte eine merkwürdige Erregbarkeit auch festerer Männer. Beim Abschiede des anderen denkt man, heute wirst Du frei, morgen möchte ich die Freiheit haben. So verstehe ich es, daß ein paar alten Leidensgenossen bei meinem Abschiede, bei meinem ersten Abschiede Tränen in den Augen standen.

In Stadt Pietermaritzburg.

An dem Morgen des Abschiedstages hatte ich meine Papiere per­sönlich dem obersten Zensor zur Durchsicht vorgelegt, so konnte ich des Nachmittags, als mein Gepäck vor dem Ausgange aus Fort Napier noch einmal untersucht wurde, ohne Schwierigkeiten das Tor passieren. Wir, etwa zwölf Mann, wurden gleichzeitig untersucht; bei einigen ging man sehr gründlich vor; selbst die Schuhe und Strümpfe mußten ausgezogen werden. Drei Stunden dauerte der ganze Vorgang. Auf einem Last­wagen ging unser Gepäck den Berg hinunter zum Bahnhof, wir gingen zu Fuß. Die anderen fuhren mit der Eisenbahn weiter in ihre Heimats­orte, noch an demselben Abend. Ich hatte es nicht weit bis zu meinem Hotel. Als ich an mein Ziel kam, vermeinte ich zuerst ganz geschwächt

G fl r i c h, Deutsch-Ostafrika.

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