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Während des Krieges in Deutsch-Ostafrika und Südafrika : meine Erlebnisse bei Ausbruch des Krieges in Deutsch-Ostafrika, im englischen Gefangenenlager in Südafrika und auf der Rückreise nach Europa ; mit 2 Karten und 9 Abbildungen / von Prof. Dr. G. Gürich, Direktor des Mineralogisch-Geologischen Instituts zu Hamburg
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Louren^o Marques.

Am 29. November gegen Abend bei einem starken Gewitter liefen wir in die Delagoabai ein. Vom 4 . Breitengrad am Kilimand- jaro bis zum 26. an der Delagoabai hatte ich 22 Breitegrade zurück­gelegt, davon kommen etwa 6 auf den Landweg. Schon ehe ich mich des Morgens erhoben hatte, kam die Hafenpolizei an Bord, und ich mußte im Schlafanzuge die Angaben über meinen Reiseweg und über meine Person abgeben, man stellte uns aber keine Hindernisse in den Weg. Der deutsche Konsul Dr. Reuter, den wir des Morgens aufgesucht hatten, half uns bereitwilligst im Hafenamte bei der Ord­nung unserer Landungspapiere. Er empfahl uns auch das einzige Hotel am Orte, das in deutschen Händen war. Die Lage mitten in der Ge­schäftsstadt war nicht angenehm, die Einrichtung einfach, aber die Küche gut; das anspruchsvolle englische Hotel oben auf der Höhe bietet eine vorzügliche Aussicht, aber die Verpflegung soll trotz der doppelt so hohen Preise minder gut sein. Nach der langen Entbeh­rung europäischer Annehmlichkeiten bot Lourenqo Marques mit Straßenbahnen, Autos, Pferdedroschken, mit geschmackvollen Läden und reichen Auslagen dem entwöhnten Auge höchst angenehme Bilder. Dazu die Speisekarte mit einer Auswahl von Genüssen! deutsches Bier vom Faß und vom Eise hatten wir seit Daressalam nicht mehr genossen. Die Stadt macht einen durchaus tropischen Eindruck; an kühleren Tagen ist die Temperatur des Mittags 27 Grad, war doch damals Sommer dort. An Tagen mit Landwind stieg das Thermometer einigemal bis zu 40 Grad. Des Abends kühlte sich die Luft bemerkbar ab; wiederholt traten starke Regengüsse 'mit Gewittererscheinungen ein, in kurzer Zeit standen dann die Straßen der Geschäftsviertel unter Wasser. Die Stadt ist durchweg sauber ausgebaut; die Geschäftsstadt liegt im flacheren Teile, sich an den Hafen anschließend, ln sanfter Steigung ziehen sich die Straßenzüge nach dem Höhenrücken hin, der 2 km unterhalb des Hafens in steilem Absturze sich zur Flußmün­dung senkt. Dort oben ' liegen die Villenviertel, Gärten und einige Staatsgebäude. Hier ist es friedlich und still, unten in den Geschäfts­vierteln am Hafen herrscht einiges Leben. Augenblicklich während des Krieges soll es allerdings sehr viel ruhiger sein als in der vorher­gegangenen Zeit. Die Kaffern eilen nach den Dampfern um Kohlen zu tragen oder sie lungern untätig auf den Straßen am Markte. Der Handel mit den Kaffern ist größtenteils in den Händen der Inder. Eine indische Moschee ist mitten in der Stadt, auch die besseren Läden sind vielfach in indischen Händen, sonst findet man Kaufleute ver­schiedenster Staatsangehörigkeit.

Unter den Portugiesen sieht man viele, die sich von den Goanesen kaum unterscheiden; alle Farbentöne sind vertreten. Unter den Groß-