Abreise von Daressalam.
Am 11. Oktober wurde aufgebrochen; der Abmarsch war auf 6 Uhr festgesetzt, aber nur die beiden Askaris waren pünktlich erschienen, die zur Aufsicht über die Träger mitgegeben waren. Ich mußte zufrieden sein, daß wir einen Zeitverlust von nur eineinhalb Stunden hatten. Wir gingen den Weg über Kurasini, sahen zuerst die „Tabora“, dann „Feldmarschall“ und „König“ im Hafen liegen und überschritten die umgestürzten Masten des Funkenturms. Jetzt ließen wir die Kultur hinter uns und es ging in das Land hinein nach Süden. Erst am nächsten Tage näherten wir uns wieder dem Meere. Die Karawane marschierte nicht gut, wir hatten durch angeblich schwach gewordene Träger wiederholt starke Verzögerungen. Es war eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft in den merkwürdigsten Kleidungen. Der eine ließ es sich nicht nehmen, in einem enganschließenden Sommerüberzieher trotz der größten Hitze zu marschieren. Unterwegs trafen wir einen schwarzen Wanderer mit einem wärmenden Lodenkragen und einem arg mitgenommenen Zylinderhute auf dem Kopfe. Auf dem Marsche wurde in geeigneten Abständen in den Dörfern kurz gehalten um Wasser zu trinken. Der Rastplatz wurde möglichst dorthin verlegt, wo die dichten Laubkronen der Mangobäume Schatten verhießen. Zuerst wurden die Zelte aufgeschlagen, dann „Poscho“ verteilt, d. h. Zehrgeld: 15 Heller für den Träger und für den Tag; der eigentliche Lohn: 25 Heller, wird am Ende des Marsches ausgezahlt, soweit er nicht durch Vorschuß bereits vorweg genommen worden ist. So hatte sich mein Rikschaführer A p o t e einen erheblichen Vorschuß auszahlen lassen, weil seine Frau ihn dringend benötigte, und doch lief die betreffende Gattin die nächsten Tage mit der Karawane. Zuerst war sie ganz bescheiden, dann drang sie aber sehr energisch in ihren Mann, ihr das versprochene Geld zu geben; aber es war vergeblich. Er hatte den ganzen Vorschuß auf andere, wahrscheinlich nicht ganz einwandfreie Weise verausgabt; es blieb mir nichts anderes übrig, als die lärmende Frau durch die Askaris zurückschicken zu lassen; sie ging aber erst dann, als ich ihr das Zehrgeld nach Daressalem ausgehändigt hatte. — Für das Zehrgeld kaufen sich die Träger: Maniokknollen, Kokosnüsse, Maismehl, manchmal auch getrocknete Fische, für die die Schwarzen gern unverhältnismäßig viel bezahlen; so kostet ein kleiner Panzerwels 20 Heller. Inzwischen machte der Koch unser Abendessen fertig; Hühner und Eier waren fast immer erhältlich. Später schoß Schwarze zuweilen ein Warzenschwein oder einen Buschbock. Der Tee schmeckte in der Regel infolge des schlechten Wassers erbärmlich, trotzdessen wurden alle Morgen die Feldflaschen damit gefüllt. Die Kokosnußmilch machten wir uns gelegentlich durch einen Bitteren schmackhafter. Unser erstes Nachtquartier am 11. Oktober nahmen wir