41
zeit von Wißmann wieder aufgebaut worden; jetzt saß ein Berliner Volksschullehrer littauischer Herkunft dort auf Küstenwacht. Die Spionengefahr an der riffreichen Küste ist hier groß, und es gilt scharfe Wacht zu halten über die dort verkehrenden Dhaus. Die Küstenverteidigung macht kurzen Prozeß. Wir konnten an dem Abend unsere Zelte schonen und in den verließartigen Räumen des alten Gemäuers baute Jumbe mir die Bettstatt auf.
Wenige Schritte weiter ab nach dem Abhange zu zwischen allerhand Gestrüpp liegt die Totenstadt, eine ganze Anzahl von Gräbern, zum Teil mit stattlichen Bauwerken, mit maurischen Zierraten und Chinatellern. Besonders zahlreich sind die minaretähnlichen Kopfsäulen und ihnen verwandte niedrige Ornamente. Kurz vor Sonnenuntergang gab es hier prächtige Aufnahmen für unsere photographischen Apparate.
Daressalam.
Am 23. September des Nachmittags trafen wir in Daressalam ein; hier blieb ich bis zum 10. Oktober. Zunächst war es meine Aufgabe Umschau und Umfrage zu halten, was ich tun könnte um die Heimfahrt zu ermöglichen; aber wie widersprechend sind die Auskünfte, die ich von den Landeskundigen erhalte und zwar von Männern in führenden Stellungen, die einen Ueberblick über die Dinge hatten! Der eine sagte: „Fahren Sie mit einer Dhau nach Portugiesisch-Ostafrika, von dort mit einem portugiesischen Postdampfer nach Lissabon“; der andere meinte, die Fahrt mit einer Dhau wäre wegen des Monsums ganz unmöglich; ich müßte über Land nach Süden ziehen, das wäre für einen Herrn „in solchem Alter“ zu anstrengend. Dann hieß es wieder, es könnte ein neutrales Schiff kommen und durch das Rote Meer nach Europa fahren, dadurch würde viel Zeit gespart. Dann war auch wieder vom Frieden die Rede, der überraschend kommen könnte, was andere nicht glauben wollten; sie meinten, das könnte noch lange, noch bis Ostern dauern. Die Möglichkeit so lange von Hause fernbleiben zu müssen, war mir bis dahin noch nicht in den Sinn gekommen, und ich nahm mir fest vor alles zu tun um meine Heimkehr zu beschleunigen und um Amt und Familie nicht so lange verwaist zu lassen. Freudig griff ich es auf, als mir unter der Hand mitgeteilt wurde, ein portugiesischer Küstendampfer würde von Süden heraufkommen und uns nach Mocambique bringen; diese Aussicht erwies sich bald als trügerisch. Sicher aber waren Verhandlungen im Gange, die Post über Portugiesisch-Ostafrika nach Europa zu schaffen. Da wurde es mir klar, daß das, was die Post könnte, auch mir möglich sein würde. So entschloß ich mich über Land nach Süden zu ziehen in der Annahme bis Mocambique marschieren zu müssen um Anschluß an den portugiesischen Post-