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Während des Krieges in Deutsch-Ostafrika und Südafrika : meine Erlebnisse bei Ausbruch des Krieges in Deutsch-Ostafrika, im englischen Gefangenenlager in Südafrika und auf der Rückreise nach Europa ; mit 2 Karten und 9 Abbildungen / von Prof. Dr. G. Gürich, Direktor des Mineralogisch-Geologischen Instituts zu Hamburg
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rücken hinunter. Hier war ich aus dem Gebiete des Sigakalkes hinaus­gekommen; ich hatte mein Ziel erreicht; es stehen Sandsteinbänke an, die unten am Flusse in Form von flachen Platten das Bett überqueren oder Klippen an den Ufern bilden. Es sind feste harte Sandsteine von eigenartiger Beschaffenheit; Pflanzenreste fand ich wohl darin, aber es war nur sogenanntes Pflanzenhäcksel, wie ich es aus den Schichten der­selben Formation von Südafrika schon kannte. Für eine genauere Alters­bestimmung sind größere Pflanzenbruchstücke nötig. Es haben gerade diese Schichten eine sehr große Wichtigkeit, weil in ihnen Steinkohlen Vorkommen können, wie sie in Südafrika abgebaut werden und am Nyassasee schon festgestellt sind. 32 Kilometer legten wir an diesem Tage zurück; in der Ruhe des Abends kam ich nach Tanga. Aus der Esse des beschlagnahmtenMarkgraf im Hafen stieg Rauch auf; es war wohl nur die Küche, die dort Feuer gemacht hatte. Der Ort selbst machte von weitem einen etwas auffallenden Eindruck; näher herange­kommen wurde ich gewahr, daß alle Häuser geflaggt waren. Der erste Gedanke: Friede, Hoffnung auf Heimkehr ging zwar nicht in Er­füllung, aber von Nauen aus war über T a b o r a ein schöner Sieg an der Ostfront gemeldet worden: über 60 000 Russen gefangen; am nächsten Tage neue Nachricht: die Deutschen 20 Kilometer vor Paris; es klang so fabelhaft, daß man der immerhin schwierigen drahtlosen Verbindung kaum zu trauen wagte.

Am 14. September des Morgens in aller Frühe sollten wir von Tanga aus aufbrechen, aber die versprochenen Träger waren nicht da, das Zelt war noch nicht fertig, das Einrad mußte erst geholt werden; von morgens 5 Uhr bis mittags 11 Uhr stand ich vor dem Hotel, bis alles beieinander war.

Abschied von Tanga.

15. September 1914. Wir marschierten ab, wenn wir auch in den Nachmittagsstunden nicht weit kommen konnten, aber die Karawane von dreißig Trägern sollte wenigstens in gang gebracht werden. Zuerst ging es durch die reich bevölkerte Nachbarschaft von Tanga; außer Negern trafen wir zahlreiche Inder und Araber. Die Gegend schien ein zusammenhängender Palmenwald zu sein. Während in den Kokos­pflanzungen ein grauer Farbenton das Pflanzengrün fast überdeckt und besonders des Mittags überhaupt kein Schatten zu finden ist, fallen die stattlichen Mangobäume mit ihren dunkelgrünen dichten Laubkronen im Buschwalde schon von weitem auf; eine wahre Zierde der Landschaft, bieten sie im Schatten ihres Blätterschmuckes die angenehmste Er­quickung an der heißen Marschstraße.

Bald führte uns der Weg durch die weniger bewohnte Buschland­schaft, aus der hin und wieder vereinzelte Dumpalmen hervorragen.

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