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Usambaraberglandes aussieht als unten am Rande der Steppe. Nach einem Marsche von über vier Stunden erreichte ich mein Ziel: Gerths Hotel, nachdem ich kurz vorher einige dunkle Hausumrisse am Bergabhange oder hier und da ein erleuchtetes Fenster gesehen hatte.
Wilhelmsthal.
In den Tagen meines Aufenthaltes daselbst vom 9.—14. August hatte ich Gelegenheit die nähere Umgebung von Wilhelmsthal zu sehen. Als ich am ersten Morgen erwachte und Umschau hielt, war ich überrascht, beim Hotel hochstämmige Eukalypten und auf den Höhen ringsum dunkelgrüne Wälder zu erblicken, fast wie Fichtenwälder daheim ausschauend. Beim näheren Zusehen bemerkte ich, daß es nicht Nadelhölzer, sondern Gerberakazien waren: lauter australische Pflanzen- hier auf afrikanischem Boden, die das ursprüngliche Bild der Pflanzenwelt völlig verwischen. Bei Wanderungen allerdings in den Schluchten und an den Wasserläufen bekam ich auch genug von der ursprünglichen, waldbildenden Pflanzenwelt des Gebietes zu sehen; auch Palmen fehlten nicht. Ich nehme an, daß es sich um eine Art Dattelpalme handelt. Prachtvoll gediehen hier Baumfarne in der feuchteren Umgebung der Gewässer in den breiteren Tälern, und ein dichtes Gewirr von Lianen machte ein Eindringen in diese Wälder unmöglich.
Bergmännische Versuchsarbeiten in der Umgebung veranlaßten mich zu kleinen Ausflügen. I r e n t e , in geringer Entfernung von Wilhelmsthal wird mir unvergeßlich in der Erinnerung bleiben. Von steilen Felsenhöhen blickte ich über reich besiedelte Negerdörfer mit runden Kegelhütten inmitten von Bananenhainen, über Pflanzungen der Europäer, den steilen Abhang hinab in das mit dichtem Busch bestandene Tal, dahinter auf eine Kante des Geländes und eine Kapelle auf dem Kalvarien-Berge ebendort. Dicht daneben gähnte ein Abgrund, der tiefe Absturz von dem Usambarahochlande hinunter in das Steppenland. Verblüffend ist der Ausblick von diesem Punkte, nach den steilen Felsenabstürzen links und rechts, nach dem grünbewaldeten Sockel der Berge» nach der in der Ferne sich verlierenden Steppe, den Einzelbergen darin» so wie ich sie schon von Moschi aus gesehen hatte. Ein überraschender Zug in diesem Ausblick aber war eine spiegelnde Wasserfläche in der Ferne: der Steppensee Manga. Jetzt nachträglich beim Nachdenken an der heimischen Arbeitsstätte wird mir erst die Schönheit jener Bilder in der Erinnerung klar. Damals eilte ich ruhelos von Punkt zu Punkt, um nur schnell wieder zurückzugelangen zur Post, wo Nachrichten aus der Heimat zu erwarten waren.
Die Erze, um die es sich in und bei Irente handelt, sind Schwefelkies, Kupferkies, etwas Molybdänglanz und wohl auch Bleiglanz. Sie treten in dünnen Quarzgängen in den dort zirkonreichen