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Während des Krieges in Deutsch-Ostafrika und Südafrika : meine Erlebnisse bei Ausbruch des Krieges in Deutsch-Ostafrika, im englischen Gefangenenlager in Südafrika und auf der Rückreise nach Europa ; mit 2 Karten und 9 Abbildungen / von Prof. Dr. G. Gürich, Direktor des Mineralogisch-Geologischen Instituts zu Hamburg
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berglandes schuf Bilder von eigenartigstem Reize. Schnell wurde es dunkel und es erfolgte der Höhenlage entsprechend eine empfindliche Abkühlung der Luft; gern hüllte ich mich in meinen Mantel, der seit Innsbruck außer Gebrauch gesetzt war. Von der umgebenden Natur war nur noch wenig zu sehen. Auch das Parege- birge verschwand im Dunkel; plötzlich leuchtete da oben an dem Ge­hänge eine Flamme auf, daneben eine zweite, sie breiteten sich aus und bildeten eine Feuerlinie, die fortschreitend ihre Lage verändert; das erste Grasfeuer! Die Wapare da oben, wurde mir erzählt, sind eifrige Feldarbeiter; sie sollen besonderes Geschick darin zeigen, die Abhänge des Paregebirges für den Feldbau auszunützen. Aber auch die Wapare- feuer entschwanden den Blicken; da nichts mehr zu beobachten war, unterhielt ich mich mit den Mitreisenden. Es war ein Grieche, der reichlichste Verpflegung für die Fahrt mitgebracht hatte; mit ihm war wenig Verständigung möglich. Um so wertvoller war mir die Unterhaltung mit einem Rechtsanwalt, der zum Zwecke einer gericht­lichen Verhandlung von Tanga nach Moschi fuhr.

Moschi.

Am 28. Juli um 9 Uhr kamen wir hier an. Zunächst begann ein tolles Drunter und Drüber; es schien der Bahnhof der Versammlungs­punkt aller untätigen Neger des Ortes zu sein und schwer war es in der unzulänglichen Beleuchtung meine schwarzen Burschen und die zahl­reichen Gepäckstücke zusammenzufinden, aber es ging. Auf der Höhe erblickte ich ein reichlich beleuchtetes Gebäude, das war das Hotel, wo ich mein Unterkommen für die nächsten Tage zu finden hoffte. Hatte mich schon während der Eisenbahnfahrt der Ausblick auf die Landschaften in Usambara und an dem Paregebirge in hohem Maße gefesselt, so war ich am nächsten Morgen in Moschi völlig überrascht durch das Bild, das sich mir dort bot: der Kilimandjaro. Wohl war mir die gewaltige Schneekappe des K i b o aus Photogra­phien deutlich in Erinnerung und doch war der Eindruck des Selbst­gesehenen überwältigend. Die breite schneeig leuchtende Wölbung am Himmel da oben ragte aus einer Wolkenschicht hervor, die anfangs die unteren Teile des Berges verhüllte; als sie sich dann verzog, konnte ich mit Hilfe meines Glases die unteren Ränder der Schnee- und Eis­massen genau verfolgen, sah die Schluchten, in die die Gletscherenden herunterhängen, konnte Moränenwälle unterscheiden und überblickte die überaus verschiedenartige Talbildung auf den sanften Abhängen des ge­waltigen Sockels des Bergriesen; und hinter der ruhigen Linie des Kibogipfels erschien in der Ferne der zackige Umriß des Mawensi. ln fast weihevoller Andacht verglich ich in der Erinnerung das Bild des Eliasberges, den ich im Jahre vorher hatte sehen können. Wie eine