. . . „Beweisen Sie, daß der Deutsche seinen alten Nationalfehlcrn zu entsagen weiß, indem Sie den Platz vergessen, den Sie in der Hitze des Gefechtes als Partei, als Einzelner eingenommen haben, indem Sie über Ihre augenblicklichen Gegner hinweg Ihren Blick auf das große Ganze erheben und diesem großen Ganzen einen Dienst erweisen". . .
(Aus einer Rede des Reichskanzlers in der Sitzung des Reichstags des norddeutschen Bundes 23. Mai 1870.)
Aus den herzerwärmenden Worten des Herrn Vorsitzenden haben Sie neuerdings die Überzeugung gewonnen, daß die nationalliberale Partei das Hervortreten einer deutschen Kolonialpolitik als eine hoch erwünschte Thatsache zu verzeichnen hat, die ihr, sei es in diesem, sei es in späteren Kämpfen nur zum Vorteil gereichen kann, sowie ja alles zu ihrem Vorteil ausschlagen muß, was den Stempel des Nationalen trägt. Ich meine sogar, wir können schon heute einen Erfolg darin sehen. Es ist ja doch kein Zufall, daß mit dem Wiedererstarken der nationalliberalen Partei unter der Flagge der Heidelberger Kundgebung eine thatkräftige deutsche Kolonialpolitik sich erhoben hat. Darum kein Zufall, weil demjenigen, der die Bewegungen in Deutschland seit 30, 40 und 50 Jahren verfolgt hat, nicht unbekannt sein kann, daß immer die Forderung einer kräftigen überseeischen Politik, womöglich auf Grund der Erwerbung von Kolonien, innig verknüpft erschien mit allen anderen nationalen Forderungen. Die nationalliberale Partei hat also diesen Programmpunkt nicht aus einem politischen Glückshafen gezogen, sondern derselbe ist eine Blüte an dem Baume, dessen Wurzeln sie selbst entsprossen. Man erinnert sich jetzt kaum mehr daran, daß 1848/49 eines der allerdringendsten Anliegen, das an die