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b) Der Besuch Baiser Wilhelms H. im Syrischen waisenhause.
Schon seit manchem Tage war alles auf den VZinen, um die kaiserlichen Gäste würdig zu empfangen. Die türkische Regierung hatte, wonach wir schon seit Jahren vergeblich getrachtet hatten, eine Fahrstraße von der Jaffastraße bis zu unserem Gebiete hergestellt. Ganze Ramelslasten von Palmzweigen hatten unsere Leute von der Philisterebene heraufgeholt, alle zu dieser Jahres- zeit noch mit grünem Laub versehenen Bäume, insbesondere die Johannisbrot, und Pfefferbäume, waren geplündert worden, um, soweit möglich, trotz des dürren Oktobers dem Hause ein grünes Festgewand anzulegen. Rm Eingang zum äußeren Hofe war ein Triumphbogen mit einer Kaiserkrone und Will- kommsprüchen aufgerichtet, eine Feststraße mit hohen Flaggenmasten, pinien- girlanden und Palmzweigen führte zum inneren Hoftor, und die ganze große Rnstalt, das Pfarrhaus, die Handwerkerhäuser und Handwerksstätten prangten in reichem Flaggenschmuck in den Farben des Kaisers und der Kaiserin, des Deutschen Reiches, Preußens und sämtlicher Länder unserer Kuratoriumsglieder. Ruch im inneren Hofe, wo die Begrüßung stattfinden sollte, hatte das Haus festlichen Schmuck angelegt. Palmzweige umkränzten die Fenster und Türen, Wappenschilder des Kaisers und der Kaiserin und Willkommsprüche von der kunstfertigen Hand des Lehrers Braun gemalt, prangten an den Mauern, und gegenüber der Kapelle war im Hofe ein Baldachin errichtet, der sich über einer festlich geschmückten Estrade für die kaiserlichen Majestäten wölbte. Der kaiserliche Generalkonsul, Herr Dr. v. Tischendorf, war auch erschienen, ebenso der türkische Pascha, und eine starke Rbteilung türkischen Militärs bildete vor dem äußeren Hofe Spalier.
Kurz nach 4 Uhr sah man von der Jaffastraße herab den glänzenden kaiserlichen Zug daherkommen. Da ertönte von unserem Turme das Geläute der drei von Kaiser Wilhelm dem Großen geschenkten Glocken, und es dauerte nicht lange, so hielt schon der kaiserliche Wagen vor unserem Tore.
Mein Bruder Theodor, der Direktor des Hauses, eilte mit mir zur äußeren Pforte. Da war unser liebes Kaiserpaar, freundlich stiegen sie aus, nahmen unsere frohen Willkommgrüße huldvollst entgegen und ließen sich von uns in den inneren Hof führen. Dabei übersah die Kaiserin, die von unserer Wassernot gehört hatte, in ihrer Freundlichkeit nicht, daß dennoch zur Vermeidung des Staubes der ganze Weg mit Wasser gesprengt worden war.
Im inneren Hofe war die ganze Einwohnerschaft des Syrischen Waisenhauses versammelt, im Vordergründe die Witwe des Begründers des Hauses, Frau Direktor Schneller sen. mit ihrer Tochter Frau Maria Bauer, die Frau des gegenwärtigen Direktors, sowie die Kinder der beiden letzteren mit Schärpen in deutschen Farben und Blumensträußchen in den Händen. Dahinter standen die verschiedenen Schulen mit ihren Lehrern, Lehrer Bauer mit seinen Seminaristen, die Handwerksmeister mit ihren Gesellen und Lehrlingen. Die Majestäten traten zuerst an die greise Waisenmutter heran, begrüßten dieselbe huldvoll und sprachen ihr Bedauern aus, daß sie den verdienstvollen Begründer des Hauses, den „Vater Schneller", nicht mehr am Leben träfen. Die Kaiserin nahm den Dank derselben entgegen für die Verleihung der silbernen Frauen- verdienstbrosche am weißen Bande, die ihre Brust schmückte und die derselben gleichzeitig mit der Dekorierung ihrer beiden Söhne von Ihrer Majestät verliehen worden war, gnädigst entgegen und ließ sich von den Kindern des