Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1916) Österreich-Ungarn, Balkan, Orient
Entstehung
Seite
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denen man etwa 600 000 Kisten alles in allem von Jaffa absendet, werden hier ebenso wie in den anderen Kolonien Körnerfrüchte, wie auch das nötige Viehfutter gebaut. Aus Sarona wurden im letzten Jahre auch die Kaiser­orangen gesandt, denn Kaiser Wilhelm hat bei seiner Palästinareise 1898 angeordnet, daß für die kaiserliche Tafel alljährlich 80 Kisten Drangen von diesen deutschen Kolonien zu senden sind, die aus der kaiserlichen Schatulle bezahlt werden. Der Traubengewinn belief sich 1911/12 auf rund 2000 Zentner- als Marktpreis erzielte der einzelne Zentner etwa 3Vs Fr.

wir hatten zu unserer Tour ein dem Herrn Wagner gehörendes Automobil zur Verfügung und konnten so noch an dem einen Tage wilhelma auf­suchen. Lage und Arbeit ist ähnlich wie in Sarona, nur werden Erfahrungen nutzbar gemacht, und so haben die wilhelmaer noch keine so ausgedehnten Weinanpflanzungen vorgenommen und sich mehr auf den Ackerbau und die Viehzucht gelegt- konnten sie doch im letzten Jahre aus ihrem Milchverkauf, es geht täglich ein wagen nach Jerusalem und einer nach Jaffa, rund 48 000 Fr. umsetzen, wenn die Gesetze nicht ausreichen, und wo tun sie das im Drient, da greifen unsere Landsleute einfach zur Selbsthilfe, und so ist es ihnen auch hier gelungen, durch die Einrichtung einer Isolierstation die Einschleppung von Viehkrankheiten durch Arabervieh zu verhüten, und die deutsche Ackerbau­schule in wilhelma hat bereits viel Segen gebracht. Der Boden ist vorzüglich, ja zeitweise sogar zu fett, daß man dort, man sollte es kaum glauben, aber es ist so, statt Dünger Sand einstreuen muß. Natürlich wird an anderen Stellen auch heute schon künstlicher Dünger verwendet, und zum Arger und Leidwesen der arabischen Nachbarn trägt der in deutschem Besitz befindliche Boden das vielfache an Früchten der Lingeborenenbesitzungen, worüber nach echt orientalischer Art nicht selten der schönste Streit entsteht.

So arbeiten denn unsere deutschen Landsleute da draußen auf deutsche Art und mit schwäbischer Zähigkeit, und wenn wir den Gesamtwert aller Siedlungen mit rund 15 Millionen Mark beziffern an Grund- und Gebäude­wert, Viehbeständen und Inventar, so ist das nicht zu hoch gegriffen.

Wilhelm v. Trotha,Heimat u. Welt", 1914. (Gekürzt.)

10. Deutsche Liebestätigkeit im Orient,

a) Unsere Schwestern in Ägypten.

vom alten Wunderland Ägypten, von seinen Pyramiden und Tempeln, van den Gräberstätten, die uns ein Bild uralten Lebens erschlossen haben, ist viel gesagt und geschrieben worden. Auch das arabische Ägypten des Mittel­alters mit dem Zauberglanz der Schilderungen ausTausend und eine Nacht", das Ägypten der Kreuzfahrer, um dessen Besitz bei Damiette deutsches Blut in Strömen geflossen ist, dessen großer Sultan Kami! sich vor der Hoheit des Stauferkaisers Friedrich H. beugte, ist uns keine völlig fremde Welt. Und vom Ägypten der Neuzeit pflegen wir soviel zu wissen, daß England und Frankreich dort seit hundert Jahren um Einfluß und Macht gerungen haben, bis das seegewaltige England seine Hand auf den wertvollen Besitz legte, um endgültig das Niltal vom Delta bis zu den Duellen im fernen Sudan zu beherrschen und den Schienenweg von Alexandrien bis Kapstadt der Vollendung entgegenzuführen.

Aber wir wissen meist wenig davon, daß seit mehr als einem halben Jahrhundert deutsche Arbeit zur Blüte eines neuen Ägypten wesentlich bei-