Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1916) Österreich-Ungarn, Balkan, Orient
Entstehung
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über teils bewaldetes, teils bebautes Hügelland, dessen Kulturen man den einstigen Waldboden und das rauhe Klima des sehr langen, schneereichen winters wohl anmerkt, nach Schwarzbach, das durch sein großes Graphitbergwerk bekannt geworden ist. Dieses ist das größte und war bis vor einigen Jahren das ergiebigste in Europa. Die Graphitgruben, die sich kilometerweit tief unter einem moorigen, torfreichen Boden nach allen Richtungen erstrecken, lieferten früher stellenweise ganz feinen, hochglänzenden Graphit, der dem besten von Sibirien und Leplon an Güte fast gleich kam und ohne eine Reinigung sofort verwendet werden konnte. Gegenwärtig fördert man fast nur noch mindere Sorten zutage, die erst durch Zerkleinern und Schlemmen brauchbar werden. Sie kommen dann in die weltbekannten Hardtmuthschen Fabriken nach Budweis, um zu Bleistiften und Zchmelztiegeln verarbeitet zu werden. Das Bergwerk, die berühmte Brauerei in seiner Rähe und der meiste Grundbesitz der Umgegend sind Eigentum des Fürsten Schwarzenberg. Ein zweites, kleineres Graphitwerk liegt in der Nähe von Schwarzbach, in Nlugrau, das ebenfalls einen großen Teil der einheimischen Bevölkerung beschäftigt. Diese ist bereits stark gemischt, deutsche und slawische Laute klingen bei einem Besuche der merkwürdigen Gegend an das Ghr, slawische und deutsche Trachten bieten besonders an Sonntagen ein buntes Bild im Dorfe Schwarzbach, das als ein langes Gassen- dorf mit seiner ungepflegten Straße, seinen Gänseherden und der Bauart seiner Häuser wirksam an die nächste Nähe des Tschechentums mahnt.

Und doch ist gerade hier, etwa eine Stunde nordwärts, wie ein vor­geschobener Wachtposten, ein uralter, kerndeutscher Markt zu finden, zu dem nach Zwischenräumen von einigen Jahren Tausende Fremder und Einheimischer pilgern: Höritz, die Stätte der nach Gberammergau besten und berühmtesten Passionsspiele, von den Urgroßvätern vererbter Kunstsinn und Drang zu Höherem und Schönerem, als sie der schwere Werktag zu bieten vermag, in den letzten Jahrzehnten aber auch der wirtschaftliche und nationale Kampf haben die alten Passionsspiele mit Hilfe des sehr verdienstvollen Deutschen Böhmerwaldbundes, des Bundes der Deutschen in Böhmen und des Deutschen Schulvereins in veredelter, künstlerisch neuer Form wiedererstehen lassen. Ls gehört zu den eigenartigsten, unvergeßlichen Eindrücken, das innige, von warmer Begeisterung für den Gegenstand und die deutsche Kunst getragene Spiel der einfachen Darsteller, die lauter Bauern oder Handwerker mit ihren Frauen und Kindern sind, zuzusehen. Der Greis ist als Hohepriester ebenso mit ganzer Seele dabei wie das kleine vierjährige Kind, das beim Einzug Christi in Jerusalem mitläuft, eine Palme schwingt und Hosanah ruft. Abgesehen von allen äußeren Erfolgen sind aber diese Passionsspiele, die nach je drei Jahren aufgeführt werden, ein mächtiges Einigungsband für die Stärkung und Er­haltung des Volksbewußtseins der deutschen Böhmerwäldler geworden.

Dr. Schuchard, Deutsche Warte 1885: Brosch, von der südlichsten Sprachgrenze Böhmens in Heimat und Welt, 1914.

8. Auf wach und Posten, Vilder aus der deutschen

Südmark.

Die wunderschöne, aber als Verkehrsweg ach so einsame Nibelungenstraße der Donau von Passau bis Wien lag hinter uns, die alte, traulich stolze Kaiserstadt selbst, die trotz aller mit ruckweiser Energie unternommenen ver-