Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1916) Österreich-Ungarn, Balkan, Orient
Entstehung
Seite
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3. Böhmen .... 2 300 000 unter 6 270 000 Einwohnern,

Mähren....

675 000

2 420 000

Schlesien . . .

300 000

660 000

Krain ....

28 000

600 000

Küstenland . . .

19 000

700 000

Dalmatien . . .

2 000

580 000

Bukowina, Galizien

400 000

8 000 000

2. Das Vordringen der Deutschen in den Donau- und Mpenländern.

wenn heute die Hauptmacht der Deutschen Österreichs in den Alpen- und Donauländern wohnt, so ist das ja zunächst ganz verständlich. Denn diese Ge­biete gehörten bis 1806 zum alten Deutschen Reiche römischer Nation, in Wien wohnte der deutsche Kaiser, erst durch den Gang der Geschichte schieden sie 1866 aus dem Deutschen Bunde, wie ist die Besiedlung erfolgt?Was war denn am Beginn unsrer Zeitrechnung da, wo heute eine blühende Welt sich aus­dehnt, von Passau bis hinab an die Mündung der Donau? Die Legionen Roms waren vorgedrungen bis an die Donau, und so wie sie floß, so gingen die nördlichsten Grenzen ihres Reiches. Drüben war unbekanntes Barbaren­land. Und als die Völkerwanderung anhub und Rom von hier weichen mußte, brach das Chaos herein für ein halbes Jahrtausend. Das heutige Afrika ist bekannter als unsre Heimat damals den germanischen Stämmen war. Sie hatten schon ein römisch-deutsches Kaisertum, und hier tummelten sich noch die Heerhaufen der Hunnen, hier herrschten noch die Avaren," schreibt der Dichter Müller-Guttenbrunn.

Durch die östlichen Alpenländer sind also die germanischen Stämme auf der Völkerwanderung gezogen und siegten hier gegen römische Ansiedler und Kultur, ohne bleibende Staatenbildungen ins Leben zu rufen (wie überall in der Völkerwanderung). Die eigentliche Besiedelung erfolgte von Bayern aus. Alemannen und Bajuvaren drangen erobernd bis zur Lnns und den südöstlichen Alpenausläufern bis zur Brennerhöhe vor. hier trafen sie auf Slowenen oder winden (wenden), die von Südosten her in dichten Siedlungen die Niederungen und das Hügelland Unter- und Mittelsteiermarks und die Seitentäler der Drau (Windisch-Nlatrei, pasterze!), Mur und Lnns und über die Alpenübergänge (Windisch-Garston, Semmering) bis ans rechte Donauufer besetzten. Sie schwemmten die letzten Reste germanischen Wesens hinweg und breiteten sich aus in Krain, im Donaugebiet bis hinauf zum Großglockner und Groß- venediger, nach Tirol, nach Norden in Steiermark längs Mur und Murz über den Semmering bis an die obere Leitha, im Lnnstal. Ober- und Nieder- österreich waren damals slawische Länder. So bildeten um 600 die Slawen (der slowenische Zweig) den Grundstock der Bevölkerung von Krain, Körnten, Steiermark, Nieder- und Dberösterreich.

vom 8. Jahrhundert an begann die Germanisierung und Christianisierung dieser Alpenslawen. Hast ohne jeden kriegerischen Zusammenstoß ist dann der weitaus größere Teil dieser slawischen Gebiete deutsches Land geworden. Hriedlich ging vom Bistum Salzburg zunächst die christliche Religion ins Land, immer deutsche Ansiedler wurden gerufen und drangen allmählich bis an die Lnns und Tauernkette vor. Dieses Germanisieren fand Unterstützung Karls des Großen,

Holdegel u. Ientzsch, Deutsches Schaffen und Ringen ini Ausland, l. 2