Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
86
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Küste einen wesentlichen Anteil hat, mit welchem Hinweis wir kurz die Bedeutung der Korallenriffe unseres Gebietes für die Nutzung der Küste durch den Menschen berühen wollen. Bekannt ist, daß die zahlreichen regellos zerstreuten Flachseeriffe die Küstenschiffahrt ungemein erschweren und gefährlich machen, und dieser Nachteil wird kaum aufgewogen durch den Vorteil, den diese Riffe ge­legentlich als Wellenbrecher vor sonst wenig geschützten Häfen gewähren. Von hervorragender Bedeutung für die Zugänglichkeit des Landes sind dagegen die »gehobenen Riffe«. Sie bilden einen vielfach unterbrochenen, schmalen, die Küste umsäumenden Gürtel. Zahlreiche Flüsse und Bäche führen ihre Wasser durch die Lücken dem Meere zu. Die Mündungen derselben sind bei der gegenwärtigen positiven Strandverschiebung von den vordringenden Wogen in weite Ästuarien verwandelt. Da nun die hinter dem Riffkalk auftretenden weicheren Gesteine, wie wir gesehen, viel stärker der Zerstörung unterliegen als jene, so wurde hinter den ge­wissermaßen als Türpfosten stehen gebliebenen Riffen ein erweitertes, geschütztes Hafenbecken gebildet. So finden wir bei der Einförmigkeit der ostafrikanischen Küste im großen hier eine überraschende Zahl vor­züglicher Häfen vor. Dieser Art sind die Häfen von Mikindani, Lin di, Daressalam, Tanga, ferner Mombassa und andere. Bagamojo und Saadani dagegen, in deren Nähe Korallenriffe fehlen, offenbar infolge Versandung des Wassers durch die Flüsse Kingani und Wami, an deren Mündungen diese Orte liegen, stehen nur offene Rheden zur Verfügung. Nicht immer sind die harten Riffelsen allerdings noch überall als Kliffe über dem Hochwasserspiegel aufragend, sondern zuweilen nur als felsige Abrasionsfläche am heutigen Meeresniveau zu erkennen.

Zusammenfassung.

Somit stellt die Küste unseres Gebietes eine jugendliche Hebungs­küste dar, die von neuem unter den Meeresspiegel sinkt, ln ungefähr 25 m jetziger Meereshöhe treffen wir auf das reife Kliff eines früheren, der letzten Hebung vorhergehenden Zyklus, das über den inneren Rand der (jüngsten) gehobenen Küstenebene aufragt. Letztere hat ihre Ebenflächigkeit auf weite Erstreckungen hin noch vollkommen bewahrt und wird von flachen, aber steilwandigen Tälern in mäßiger Zahl und Gliederung durchschnitten. Die unteren Stücke dieser Täler sind in Meeresbuchten (Rias) verwandelt (die nur dort eine hochgradige Ver­ästelung zeigen, wo das Meer bei sehr schmaler Küstenebene bis in das dahinter liegende Hügelland selbst eingreiff [z. B. Pemba]), während die Küstenebene seewärts durch ein rezentes Brandungskliff abgeschnitten wird.

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