Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
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welchem Reste von Korallen und anderen Organismen eingeschlossen sind, und keineswegs ein Gerüstwerk von Korallenstöcken, ausgefüllt von verkitteten organischen Kalktrümmern. Ein Vergleich mit einem älteren Riffkalk unseres Gebietes zeigt uns aber, daß in dem jüngst aufgetauchten Riff der Prozeß der Gesteinbildung noch lange nicht vollendet ist. Auch in dem trocken gelegten Riff dauert Auflösung und Ausscheidung durch die im Gestein zirkulierenden Sickerwasser noch fort. Der Riffkalk wird dichter und fester und verliert dabei immer mehr und mehr an organi­schen Einschlüssen. So stellt er schließlich ein ziemlich homogenes, gelb­lich- oder gelblich braungraues, hartes und dichtes, jedoch stellenweise ziemlich löchriges, fast fossilleeres Gestein dar, das von Spalten und Klüften durchzogen ist, aber keine Spur von Schichtung zeigt.

Da das kalkausscheidende Wasser im gehobenen Riff den Kalk dem Riff selbst durch Auflösung entzieht, so würden sich von vornherein in dem Riff-Felsen unzählige, anfangs noch enge Lücken und Klüfte ausbil­den, wenn nicht der junge lockere Riffkalk dieser Gefahr dadurch ent­gegenträte, daß er in gleichem Maße in sich selbst zusammensinkt und so, alle Hohlräume ausfüllend, zu einem immer dichteren Gestein wird, das durch Wiederausscheidung des Kalkes zugleich allmählich immer fester wird. Hat die Festigkeit schließlich einen solchen Grad erreicht, daß ein Sacken der ganzen Masse nicht mehr möglich ist, so werden die in den nunmehr lokalisierten Klüften und Spalten zirkulierenden Sickerwässer durch weitere Auflösung von Kalk bleibende Hohlräume erzeugen müssen. Solche sind in der Tat in gehobenen Riffkalken sehr häufig beobachtet und oft beschrieben worden und finden sich auch in unserem Gebiet. Da über ihre Entstehungsweise sehr verschiedene Ansichten bestehen, so müssen wir uns etwas eingehender mit denselben beschäftigen.

Die Bildung von Höhlen im Riffkalk.

Prof. Walter 1 und andere vertreten die Ansicht, daß die in gehobenen Korallenriffen vorkommenden Höhlen ursprünglichen Lücken im leben­den Riff entsprechen. Es ist richtig, daß sich im lebenden Riff mannigfache Lücken, Gänge, Höhlungen und Löcher vorfinden. Dieselben zeigen jedoch in ihrer Gestaltung und Ausbildung wenig oder gar keine Ähn­lichkeit mit den in gehobenen Riffkalken vorkommenden Formen von Höhlungen. Die beiden Einsturzschlünde vonMachomwi auf der Insel San­sibar, stellen, wie wir (S.5öff.) gesehen, in ihrer ursprünglichen Gestalt runde, geschlossene Gewölbekammern dar von auffallend regelmäßiger For­mung. Derartig lückenlos geschlossene Wandungen und regelmäßig ge-

1 Ergänzungsheft Ho. 102 zu »Petermanns Mitteilungen« Gotha 1892.

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