Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
67
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diese schließlich das Gleichgewicht verliert und herunterstürzt, worauf wieder das Wasser seine Tätigkeit beginnt und die Pyramide zuspitzt und erniedrigt.

Das zähe, sandige bis grandige Lehm-Material der Mikindanistufe zeigt besonders schön die Kannelierung der Erdpyramiden durch die zahl­reichen an ihnen herablaufenden kleinen Erosionsfurchen (siehe Taf. 6).

Quellschluchten.

Erosionsabstürze, d. h. senkrechte Abbrüche von 5 bis 20 und mehr Meter Höhe an den Quellstellen der Wasserrinnsale wurden auch schon von Bornhardt (a. a. O. S. 49) in den lehmig-sandigen Mikindanisschichten Ostafrikas beobachtet. Sie sind in der Tat in großartiger Ausbildung ne­ben den Pyramiden eine charakteristische Form in den Quellschluchten und Zirken des Hügellandes der pluvialen Ablagerungen der Mikindani­stufe. Ist die Zusammensetzung des Bodens sandig genug, um größere Mengen atmosphärischen Wassers aufnehmen zu können, so kommt es nicht zur Bildung der eben beschriebenen zierlichen und höchst auffallen­den Erosionsgebilde, sondern das Regenwasser dringt auf der Höhe in den Boden, durchweicht große Partien und sickert über dem Grunde des nächsten Tälchens wieder hervor. Dabei kommt es zu einem Abglei­ten und Rutschen der überlagernden, stark durchfeuchteten Bodenmassen, die auf der Höhe in der Regel an senkrechten Spalten abgetrennt werden. Diese Spalten stellen unmittelbar die steilwandige Umrahmung des Quellkessels dar, nachdem die abgelösten durchfeuchteten, schlammarti­gen Bodenmassen als »Schlipf« niedergeglitten oder, in sich zusammen­gesunken, vom Wasser allmählich weggeschwemmt sind. Wird ein solcher Schlammgletscher nachträglich von einem Wasserrinnsal durchschnit­ten, so läßt sich an der Schnittfläche die innere Schichtung desselben er­kennen, die in zahlreichen Fältelungen und Verbiegungen die stattgehabte Gleitströmung der Bodenmasse zum Ausdruck bringt

Nach dem Gesagten ist zur Charakterisierung der typischen Form der Quellschluchten im Bereiche der Mikindanischichten nur weniges hin­zuzufügen: Bei der Weichheit des Gesteins sind die Erosionsrinnen oft bis hart an die Wasserscheide heran tief eingeschnitten und bilden hier von senkrechten Wänden umschlossene Zirken, in welche steile Kulissen und pyramidenförmige Erosionsgebilde vorragen. Der Bach stürzt (we­nigstens während der Regenzeit) in schmalen, sich im Grunde der Schlucht vereinigenden Wasseradern in die Tiefe und besitzt oft schon wenige Meter unterhalb seines malerischen Quellschlosses nur mehr ein ganz geringes Gefälle.