Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
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Höhle, die bei 5 6 m Höhe etwa 20 Schritt breit ist; sie ist spaltförmig schief nach innen geneigt; Boden und Wände sind außerordentlich glatt.

Die der Stadt Lindi gegenüberliegende Plateauvorstufe wird von einer 15 bis 20 m mächtigen Folge von dicken Bänken eines hellgrauen, massigen Kalkes bedeckt, der am Rande in steilen Wänden abbricht. Seine Ober­fläche ist schrattenförmig zerfressen; an manchen der Klüfte, an denen der spröde Kalk reich ist, haben sich durch Auswaschung geräumige Höhlen gebildet. Besonders ausgedehnte Höhlen sind nahe dem Plateau­rande 5 bis 4 km südlich des Lindi-Sanatoriums zu finden.'

Endlich sind hier noch die schon länger bekannten Siga- oder Kaiser Wilhelm-Höhlen zu nennen, die sich in dem dickbankigen jurassischen Kalksteine ausgebildet haben, der westlich von Tanga von den Hauptzu­flüssen der gleichnamigen Stadt, dem Sigi und Mkulumusi, in engen, felsigen Tälern durchbrochen wird. Zahlreiche Klüfte durchsetzen den Kalk und sind an manchen Stellen zu geräumigen Spalthöhlen erweitert worden. Zumal an der linken Talseite des Mkulumusi hat der zur Regen­zeit stark anschwellende Fluß zu einigen Spalten Zutritt gefunden und zu­sammen mit dem von oben eindringenden Regenwasser die genannten Höhlen geschaffen. Die Höhlen werden von zahllosen Fledermäusen be­wohnt. 1 2

D o 1 i n e n.

Karsttrichter (Dolinen) treffen wir in mehr oder minder typischer Ausbildung in den Kalkgebieten Sansibars häufig an. Zwei sehr schöne Gebilde dieser Art fand ich nördlich von Mchangamule, auf dem Nordhorne der Insel. Der Boden der einen dieser Dolinen ist dicht mit dem mächtigen Sumpffarne Chrysodium aureum bewachsen, die andere faßt einen klaren Wassertümpel. Bei Kidoti pflanzen die Eingeborenen in dolinenartigen Senken den Betelpfeffer. Baumann bezeichnet auch die beiden Grotten von Machomwi, die wir schon kennen lernten, als Dolinen. Da man jedoch unter diesem Namen unbekümmert um die Entstehungsweise gewöhnlich trichter- oder schüsselförmige Vertiefungen mit geneigten Wänden versteht, so möchte ich die ge­nannten Höhlenlöcher nicht hierher rechnen. Dieselben sind jedoch sehr geeignet, uns die Bildungsweise einer Einsturzdoline klar zu machen. Bei der Machomwi makuba (Fig. n) ist das durch Deckenbruch auf dem Boden angehäufte Gesteinsmaterial von so geringem Umfange, daß es die ursprüngliche Form der Gewölbekammer noch klar zu erkennen gestattet. Bei der Machomwi madogo, deren ursprüngliche Decke,

1 Bornhardt a. a. O. S. 18.

2 Bornhardt a. a. O. S. 423, 424 und 428.

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