Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
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bereits von der Flut nahezu erreicht, und in Tongoni war man bei meiner Anwesenheit eben im Begriffe, Häuser abzureißen, weil diese vom Meere bespült wurden, ln Wanga müssen sich die Eingeborenen sogar durch Aufführung von Dämmen gegen die See schützen, welche ihre Stadt be­reits in eine Insel verwandelt hat. Überall, besonders auch in Tanga, trifft man alte Leute, die an Stellen Häuser gesehen haben, die jetzt bereits von der See eingenommen werden.«

Strandterrassen.

Es scheint mir ein bei der Beurteilung der Entstehungsweise der Riff- Formen häufig begangener Fehler zu sein, aus dem Vorhandensein über dem Meeresspiegel aufragender jungfossiler Korallenkalke ohne weiteres auf ein Gebiet mit (gegenwärtig) negativer Bewegung zu schließen. Für unser Gebiet läßt sich nachweisen, daß auch während der der gegen­wärtigen vorhergehenden Zeit der negativen Niveauveränderung, welche durch die über dem Meeresspiegel aufragenden toten Riffe markiert ist, Zeiträume positiver Strandverschiebung eingeschlossen waren. Jene Riffe geben somit nur den Betrag der zu Gunsten einer negativen Bewegung sprechenden Differenz zwischen den Summen der in verschiedener Rich­tung wirkenden einzelnen Bewegungen eines oszillierenden Meeres­spiegels in meßbarer Form an. An verschiedenen, zum Teil weit vonein­ander abliegenden Orten, so am Ras Mbueni auf Sansibar und der Insel Chapuani bei Sansibar, ferner am Ras Upanga, am Ras Chokir, am Ras Rongoni, auf den Inseln Kendua und Kimbumbuu bei Dares­salam finden sich zwei deutlich voneinander getrennte Riffe, die sich auch durch ihre petrographische Beschaffenheit als verschiedenalterig zu er­kennen geben, übereinander. Die Grenze zwischen beiden ist stellenweise eine unregelmäßige, stellenweise aber schneidet das untere Riff in ge­rader, horizontaler oder leicht geneigter Linie gegen das obere ab. Ich möchte hierin eine Brandungsterrasse erblicken. Diese kann sich nur bei positiver Niveauverschiebung gebildet haben. Da die Grenzlinie bei den Riffen an den verschiedenen genannten Orten in annähernd derselben Höhe über dem jetzigen Wasserspiegel auftritt, so dürfen wir daraus den Schluß ziehen, daß die angedeutete Bewegung der Strandlinie nicht an den einzelnen Punkten durch lokale Ursachen bedingt ist, sondern sich innerhalb eines größeren Gebietes gleichmäßig geäußert hat. Zu derselben Einsicht zwingen uns mehrere, oberflächlich erkennbare und durch ihre leicht an­steigenden Flächen und die sie trennenden Steilwände das Relief des be­treffenden Küstengebietes beherrschenden Strandterrassen , 1 deren zwei sich

1 Vgl. auch Bomhardt a. a. O. und Werth: Lebende und jungfossile Korallenriffe. 4 Werth, Deutsch-Ostafrika

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