Bei den sehr verschiedenen Tiefenverhältnissen in den verschiedenen ertrunkenen Tälern der ostafrikanischen Küste können wir kaum aus den Tiefenzahlen an sich einen Anhalt gewinnen für das Niveau des vormaligen tiefsten Meeresstandes zur Zeit der fluviatilen Ausfurchung der heute ertrunkenen Talformen. Es ist auch einleuchtend und schon von Bornhardt hervorgehoben, daß die heutige Tiefe der Krieks durch Einschwemmung von Sedimenten aus den zumündenden Flüssen und Bächen reduziert sein kann. Ebenso ist es andererseits nicht von der Hand zu weisen, daß die Gezeitenströmungen, zumal in der Nähe des Ausganges der Buchten, eine ausfurchende Wirkung äußern können und solche auch sicherlich wiederholt geäußert haben. Wir können also weder sagen, daß die Tahlsohle ehedem mindestens die Tiefenlage der heutigen tiefsten Kriek$stellen gehabt haben müsse, noch daß sie umgekehrt höchstens jene Tiefen gezeigt haben könne. Dagegen läßt sich mit größerer Sicherheit aus der Form und Breite des Kriekstales die Lage seiner ehemaligen Sohle rekonstruieren. Hiernach dürfen wir wohl mit Bornhardt eine Niveaudifferenz von 40 bis 60 m gegen den heutigen Meeresspiegel annehmen. Bei einem um diesen Betrag gegen den heutigen tieferen Meeresspiegel würden die verhältnismäßig kleinen heutigen Zuflüsse der Krieks wohl haben Täler ausfurchen können, die in ihren oberen Teilen die Dimensionen aufweisen, die wir heute an ihnen wahrnehmen.
Durch Ausfurchung mittels der Gezeitenströmung in dem eben angedeuteten Sinne können wir naturgemäß nicht die enormen Tiefen erklären, die die Mehrzahl der südlichen Talbuchten in ihren äußeren Teilen aufweisen. Hier müssen andere, vorläufig noch unaufgeklärte Ursachen zu Grunde liegen. Der Aufriß Fig. io, der diese Verhältnisse bei der Mikin- dani-Bai und dem anstoßenden Gelände darstellt, mag dies eigenartige Phänomen, das vielleicht einer tektonischen Grundlage (Schichtenverbiegung) nicht entbehrt, veranschaulichen.
Talverschüttung.
Die in die Riasbuchten einmündendenTäler sind sämtlich durch breite Alluvialböden ausgezeichnet, die im Mißverhältnis zu der Kleinheit der in diese eingeschnittenen, langsam fließenden und oft zur Versumpfung neigenden Fluß- und Bachläufe stehen. Die Senkung des Landes, welche die untersten Talstücke vom Meere überfluten ließ, bewirkte dadurch einen Rückstau der in ihnen sich bewegenden Flüsse, die infolgedessen ihre Täler mit Sedimenten auffüllen. Wird bei der positiven Niveauverschiebung von einem sedimentreichen Flusse sein Tal um ebensoviel aufgefüllt wie durch die Senkung untertaucht, so vermag das Meer nicht in
45