Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
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der weit widerstandsfähiger ist als die dazwischen liegenden Küstenabfälle aus lehmigsandigen Bildungen. Hoch mehr als die zahlreichen Kaps und die zwischen ihnen liegenden Einkerbungen der Festlandsküste beweisen das noch stattfindende Vordringen des Meeresspiegels die isoliert vor der Küste liegenden lnselchen und Felsen, die durchweg aus dem erwähnten harten Riffkalk bestehen. Auch hierfür gibt uns die nächste Umgebung von Daressalam gleich ein prächtiges Beispiel in der Inselgruppe von Mak atombe und Kimbumbuu. Namentlich die zahlreichen, die Haupt­insel Makatombe begleitenden und mit ihm sich auf derselben Riffplatte erhebenden kleineren und größeren Felsen 1 zeigen die enorme und in­tensive Zerstörung durch die Brandung, die bestrebt ist, die Riffplatte von allen über das Brandungsniveau aufragenden Felspartien zu befreien und glatt fegen.

Nirgends somit erkennen wir Reifungserscheinungen unserer Sen­kungsküste, nirgends erweckt sie den Eindruck einer »Ausgleichsküste« (vergl. weiter unten); die Senkung der Küste bezw. die positive Ver­schiebung des Strandniveaus ist augenscheinlich noch in vollem Gange.

Ertrunkene Täler.

Einen weiteren Beweis für die stattfindende positive Niveauverschie­bung des Meeres sind die breiten, als sogenannte »Krieks« weit in das Land einschneidenden Flußmündungen, die als oft vielverzweigte, vom Meere überflutete Talformen erscheinen (Taf. 3 u. 27). Die scharfe Aus­bildung aller einzelnen Verzweigungen dieser »untergetauchten« Täler würden ebenfalls längst verloren gegangen bezw. von Alluvionen aufgefüllt sein, wenn das gegenwärtige Meeresniveau schon lange seinen Stand inne hätte, ln schärfster Ausbildung und in den zierlichsten Formen treten uns diese »Rias-Buchten« an der Westseite der Insel Pemba entgegen, wo sie wohl nicht in letzter Hinsicht dem Schutze der vorge­lagerten Insel- und Riffreihe ihre Erhaltung bis in die kleinsten Details verdanken.

Diese für die deutsch-ostafrikanische Küste charakteristischen vielver­zweigten Buchten finden sich jedoch nur dort, wo der Meeresboden nahe dem Strande bald in größere Tiefen abfällt, während sie da, wo der sub­marine Steilabfall weit entfernt liegt, fehlen. Ersteres ist der Fall auf beiden Seiten des tiefen Grabenbruches des Pemba-Kanals, also auf derWestseite Pembas und an der Tangaküste, zwischen der Umba- und der Pan- ganimündung. Dann fehlen die Rias auf der ganzen Strecke des seichten Sansibar-Kanals, ebenso wie an den Ufern des Mafia-Kanals,

1 Man vergleiche die Karte (Taf. 21) bei Werth a. a. O.

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