Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1915)
Entstehung
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VI. Kapitel.

EINZELDARSTELLUNG

des deutschostafrikanischen Küstengebietes und der vorgelagerten Inseln.

1. Einleitung.

E ine Gliederung des deutsch-ostafrikanischen Küstenstriches in natürliche Landschaften zum Zwecke einer eingehenderen Einzel­betrachtung läßt sich in verschiedenerWeise vornehmen, ln klima­tischer Beziehung unterscheidet sich das nördliche Küstenland nicht unwesentlich vom südlichen. Eine Grenze zwischen den in beiden herrschenden Klimatypen würde ungefähr durch den Rufiji-Unter- lauf gegeben sein. Doch verschiebt sich diese Grenze nicht unerheblich im Laufe der Jahre mit dem für unser Gebiet so charakteristischen großen Wechsel in der Menge und Verteilung der Niederschläge sowie auch der Äußerungen der anderen klimatischen Elemente, so daß sich eine Einteilung der Küste mit Rücksicht auf das Klima nur in Form einer Drei­teilung mit Einschiebung einer breiten mittleren Übergangszone praktisch durchführen ließe. Die nördlichen und südlichen Grenzen dieser Mittel­zone festzulegen, wäre allerdings wiederum mit Schwierigkeiten verknüpft.

Die Vegetat ionsformationen zeigen innerhalb des schmalen Küstenstreifens eine zu große Abhängigkeit von der Bodenunterlage, als daß sie wenigstens nach unseren bisherigen Kenntnissen eine schärfere Abgrenzung der angedeuteten Klimazonen unterstützen könnten. Nach der floristischen Eigenart der Pflanzenwelt unseres Gebietes konnten wir den nördlichen Sansibar-Küstenbezirk und den südlichen MoQambique-Küstenbezirk unterscheiden, deren Grenze bei Kilwa liegt, ln ähnlicher Weise läßt sich auch die Tierwelt des deutsch-ost­afrikanischen Küstengebietes nach ihren faunistischen Beziehungen in eine nördliche Somal- und eine südliche Mocambique-Provinz gliedern, deren Grenze aber wiederum nicht mit der Trennungslinie der floristischen Bezirke zusammenfällt. Die Bevölkerung des deutsch-ostafrikanischen Küstengebietes zeigt ein so einheitliches Gepräge ihrer Oberschicht, daß eine weitere Teilung des Gebietes auf Grund ethnischer Momente untun­lich erscheint.

Besser gelingt eine Gliederung des Küstenlandes in Einzellandschaften vorwiegend auf Grund der unmittelbaren morphologischen Be-

I Werth, Deutsch-Ostafrika, Band 11.

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