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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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Transvaal, das heute schon Pfeifentabake in ansprechender Aufmachung zum Eiuzelver- kauf auf den europäischen Markt bringt. An den 40 Millionen Kilogramm Tabak, die Deutschland jährlich importiert, sind in erster Linie Brasilien, Mittel- und Nordamerika, Westindien und Niederländisch-Ostindien beteiligt. Die Produktion in den eigenen Kolonien steckt, wie wir oben gesehen haben, noch vollständig in den Kinderschuhen, so daß eine Änderung der weltwirtschaftlichen Verhältnisse für den deutschen Tabak­handel zunächst nicht erwartet werden kann.

Zu den Genußmitteln im weiteren Sinne rechnet man auch die Gewürze. Allerdings hat sich der Gebrauch der Gewürze wesentlich verringert. Man würzt eben Speise und Trank heute nicht mehr so kräftig und vielseitig wie vor hundert Jahren. Die Gewürze haben im Handel der älteren Kolonialvölker eine große Rolle gespielt. Der Pfeffer soll neben anderen Produkten des Ostens für die Entdeckung des Seeweges nach Indien ein wichtiger Antrieb gewesen sein. Die Portugiesen haben mit den ersten Ladungen von Gewürzen glänzende Geschäfte gemacht. Gewürznelken und Muskat­nüsse sind jahrzehntelang von den Holländern monopolisiert worden. Man bemühte sich daher nach der Entdeckung Amerikas, diese wichtigen Kulturpflanzen dorthin zu überführen. Aber nur der Pfeffer hat in Jamaika ein beschränktes Prodnktionsgebiet gefunden. Die Hauptprodnktion des Pfeffers liegt immer noch in Hinterindien und auf Java. Es werden dort jährlich noch etwa 27 Millionen Kilogramm erzeugt. Da­von importiert Hamburg etwa 6 Millionen Kilogramm im Werte von ebensoviel Mark.

Die auf den Molukkeu heimischen Gewürznelken kamen am Anfang des vorigen Jahrhunderts nach Sansibar und haben dort ein zweites recht bedeutendes Pro­dnktionsgebiet gefunden. Die Vanille ist aus Mexiko nach den französischen Antillen, nach Reunion und nach Tahiti gekommen, und die Kultur des Ingwer von Ostindien nach Mittelamerika und Sierra Leone.

Auch iu die deutschen Kolonien hat man die Kultur der Gewürzpflanzen zu über­tragen versucht, so die Vanille nach Ostafrika und Samoa, die Gewürznelken an die ostafrikanische Küste und den schwarzen Pfeffer ebenfalls nach Deutsch-Ostafrika. Allein der letztere ist bisher in kleinen Mengen exportiert worden.

Jedenfalls ist der Verbrauch an Gewürzen in der Welt immer noch so groß und besonders Hamburg ein so bedeutender Markt für diese Kolonialwaren, daß sich die Ausdehnung des Anbaues der wichtigeren Gewürze in unseren Kolonien wenn auch nur als Neben- oder Zwischenkulturen Wohl lohnen würde.

Während der größte Teil der tropischen Heilpflanzen auch heute noch wild gesam­melt wird, ist die als Fieberheilmittel allgemein bekannte und heute noch allgemein gebrauchte Chinarinde in Englisch- und Holländisch-Jndien Gegenstand umfangreicher Kulturen. Es bedürfte langjähriger vergeblicher Bemühungen und großer Anstren­gungen, bis es gelang, das Geheimnis, mit dem die Indianer Südamerikas das, gegen Fieber Wunder wirkende, Heilmittel umgaben, zu entschleiern und Pflanzmaterial für die alte Welt zu gewinnen. Die Geschichte der Chinarindenkultur ist eines der interessantesten Beispiele aus der älteren Kolonialgeschichte für die Bemühungen, wichtige Nutzpflanzeu aus ihrer ursprünglichen Heimat in andere Gebiete zu über­führe:: und diesen damit eine neue nutzbringende Kultur zu briugen. Die von den Engländern und Holländern angelegten Pflanzungen reichen für den Bedarf heute vollständig aus, so daß die vielversprechenden Anpflanzungen der Chinarinde in Deutsch- Ostafrika zwar den Beweis erbracht haben, daß diese Kulturen auch iu unseren Kolonien möglich sind, aber leider zurzeit keine Rechnung tragen und aus diesem Grunde für die Entwicklung der Kolonie nicht in Frage kommen.

Jndustrieprodukte.

Wohl zünden interessantesten und heute zweifellos für die Weltwirtschaft'wich­tigsten Rohstoffen gehört die B a u m w o l l e. Zuerst aus Indien bekannt, kamen ihre Produkte auf den alten Handelswegen nach Europa und später durch die Araber die