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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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303
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Damit ist auch eine sittliche und soziale Hebung und Besserung des Mis­sionslandes gegeben. Einerseits durch Bekämpfung und Ausrottung individueller und sozialer Fehler und Gewohnheiten, der Trägheit, Lügenhaftigkeit, Trunk­sucht, Ausschweifung, Polygamie, Zauberei, Menschenfresserei usw., andererseits durch AnHaltung zu den verschiedenen christlichen Tugenden wird eine gründliche ethische Läuterung und Reinigung des Volksganzen angebahnt. Wie sehr auf diesem Wege die ganze soziale Verfassung umgestaltet und erneuert wird, zeigt die Stellung der Mission zur Sklavenfrage, zur Frauenwelt, zur Kindererziehung, zum Familienleben usw. Weitgehende Einwirkungen gehen von der christlichen Mission insbesondere zur Hebung und Gesundung des Ehe- und Familienlebens aus, namentlich durch Zurückdrängung der Vielweiberei und des Frauenhandels, wenn auch die in den Volksgebräuchen wurzelnde Entschädigung an die Eltern des heiratenden Mädchens sich noch nicht völlig ausrotten läßt. Allenthalben, wo die christliche Mission länger an der Arbeit ist, sind auch die Fortschritte in der Lebenshaltung und in der Überwindung der allzu elementaren Bedürfnislosigkeit unverkennbar. Vor, allem aber versteht es die Mission, die Neger und Kanaken zur Aufnahme der höheren Kultur, des verfeinerten Lebensglücks und Lebens­genusses ohne seelische Schädigung zu befähigen; genügt doch weder die materielle noch auch die intellektuelle Hebung ohne die Zuhilfenahme der christlichen Grund­sätze zu einer wahren sozialen Läuterung!

In konfessioneller Hinsicht steht im allgemeinen die katholische Mission obenan. Namentlich ihr wird von Kolonialpolitikern (von ihrem Standpunkt aus) das Lob gespendet, daß sie in kluger Pädagogik mit dem Beten das Arbeiten verbinde, ja dieses gewissermaßen voranstelle. Alle sind darin einig, die katholischen Mis­sionsanlagen als Kulturzentren ersten Ranges für diese primitiven Verhältnisse zu feiern. Auch in caritativer Hinsicht übertrifft sie in der Regel die protestan­tische Mission; und wenn sie nicht in gleichem Umfang Missionsärzte anstellt, so ist dies keineswegs sorgloser Gleichgültigkeit oder grundsätzlichen Bedenken, etwa der Furcht vor einem selbständigen Aufkommen des Laienelements, sondern den tatsächlichen, besonders finanziellen Schwierigkeiten und Hindernissen zuzuschreiben. Es dürfte darum am Platze sein, für diesen Puukt die katholische Mission voran­zustellen.

Wirtschaftliche Tätigkeit der katholischen Mission.

Die Togomission der Stehler ist zwecks Hebung ihrer Kassenverhältnisse wie zur wirtschaftlichen Anleitung ihrer Zöglinge und Umwohner eifrigst auf ihre wirtschaftlichen Missionsaufgaben bedacht. Schon um durch ihre Bildungsbestre­bungen Ackerbau und Landwirtschaft nicht in Mißkredit zu bringen, verlegt sie sich mit Macht darauf, soweit es die seitens der Regierung dem Landerwerb ent­gegengesetzten Hemmnisse zulassen. Fast alle Stationen sind von Gärten und Plantagen umgeben, in denen meist Iams, Kakao, Kola, Ölpalmen, Sisal, Teek- holz, Kapok, Kokos, Kaffee gepflanzt werden. Die anregende und erzieherische Ein­wirkung dieser Tätigkeit auf die ganze Umgebung wird durch die Tatsache ver­anschaulicht, daß schon viele Eingeborene von der Mission Setzlinge erbeten haben, um auch ihrerseits Pflanzungen anzulegen, und noch weitgreifender ist die land­wirtschaftliche Aufklärungsarbeit der Missionsschüler nach ihrer Rückkehr in die Heimat. Die Missionsschwestern erhielten bei der ersten landwirtschaftlichen Aus­stellung in Palime die goldene Medaille. Der Förderung des Handwerks und der Ausbildung der Eingeborenen in den verschiedenen Gewerben dienen die den Sta­tionen angegliederten Werkstätten, namentlich die von ca. 100 jungen Togoneseu besuchte, im letzten Jahre wesentlich erweiterte und mit modernen Maschinen aus­gestattete Handwerkerschule in Lome, in der nicht weniger als neun Handwerke (Schlosserei, Schneiderei, Schreinerei, Schusterei, Anstreicherei, Mauerei, Zieglerei,