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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
Entstehung
Seite
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Sanwa.

Weit entfernt von unseren anderen Besitzungen in der Südsee liegt einsam, einer köstlichen Perle gleich, eingebettet in den blauen Wogen des unermeßlichen Stillen Ozeans, Samoa. Schon von weitem grüßen den Schiffer die grünen, emporstrebenden Berge, grüßt ihn der von lauen Winden herübergetragene Erdgeruch, vermischt mit dem berauschenden Duft von tausend und tausend blühenden Waldbäumen. Noch ehe er den Fuß ans 'Laud setzt, umschmeichelt seine Sinne der Zauber Samoas, um jeden, der längere Zeit in dem sonnigen, glücklichen Lande verweilte, in seinen Bann zu schlagen.

Gleichweit von Amerika und Australien entfernt, erstrecken sich die Inseln von 13° 31/ südlicher Breite, 172° 45' westlicher Länge bis 14« 32' südlicher Breite, 168° 9' westlicher Länge. Sie sind ausnahmslos vulkanischen Ursprungs. Die deutschen Inseln sind folgende:Sawaii, Apolima, Manono und Upolu. Tutuila, Manua und die anliegenden kleinen Inseln sind amerikanisch. Sawaii, die größte der ganzen Inselgruppe, ist augen­scheinlich jüngeren Ursprungs als die anderen. Davon zeugen die großen noch wenig verwitterten Lavafelder und die im Gegensatz zu Upolu erheblich dünnere Humusschicht, die gegen Osten zu stärker wird und auf Upolu und Tutuila schon reiche, tiefgründige Böden bildet, so daß man Wohl annehmen kann, daß die Entstehung der Inseln von Osten nach Westen stattfand. Von weitem erscheint Sawaii, das die Gestalt eines ziemlich regelmäßigen Rhombus (mit 1707 Hlcm Flächeninhalt) hat, als ein einziges, gewaltiges sanft ansteigendes Gebirgsmassiv. In Wirklichkeit durchziehen drei selb» ständige, von Osten nach Westen parallellaufende Bergketten die Insel, davon die mittlere die höchste ist (1650 m, nach neueren Angaben sogar 1800 m). Im Osten bilden sie ein sehr unregelmäßiges Bergland mit vielen Einzelerhebnngen, unter diesen den Krater­kegel Tofua. Im Westen vereinigen sie sich und laufeu im Kap Falealupo aus. Charak­teristisch sind die zahlreichen parasitischen Nebenkrater, die wie Warzen aus den großen Gebirgszügen hervorwachsen. Das Innere der Insel ist noch sehr wenig bekannt; es ist stark zerrissen und zerklüfet, am meisten im Osten, am wenigsten im Westen.

Ein wechselvolles Bild zeigt die Küste Sawaiis. Da wo die Berge steil ins Meer hinabfallen, und das ist hauptsächlich im Westen, Nordwesten und Süden der Fall, fehlt das weißschillernde Band der Korallenriffe, und mit ungehemmter Macht brandet der Ozean jahraus, jahrein gegen den schwarzen Lavastein, ihn zernagend, zerbröckelnd. Weite Höhlen haben die unermüdlichen, schaumgekrönten Wogen gegraben, tiefe Kauäle haben sie gebohrt, in die mit jedem Wogenanprall das Wasser hineinbraust, bis es sich endlich nach oben einen kaminartigen Ausgang geschaffen und in Gestalt einer viele Meter hohen Fontäne emporschießt. Die Steilküste erstreckt sich fast bis an die Safune- bucht, die von Korallenriffen umschlossen nur eine schmale Einfahrt für die Schiffe gestattet. Der nördlichste Punkt ist Matautu, zugleich der einzige).Platz, wo größere Schiffe zur Passatzeit mit leidlicher Sicherheit nahe dem Lande ankern können. Nach Osten zu treten die Berge immer weiter zurück und lassen zwischen sich und dem Meere eine fruchtbare Ebene, den Faasaleaga-Distrikt. Hier umsäumen wieder Korallenriffe die Küste, an denen die weißschäumende Brandung steht, das tiefblaue Meer von dem zartgrün gefärbten Seichtwasser trennend. An dieser Strandküste reihen sich die schmucken Dörfer der Samoaner mit ihren Hainen von Kokospalmen, Brotfrucht- und Mango­bäumen dicht aneinander, während West- und Südküste nur schwach bevölkert sind. Bei Fanga mündet einer der wenigen,^ das ganze Jahr fließenden Flüsse Sawaiis, dessen Armut an fließenden wie stehenden Gewässern in dem jungeu, durchlässigen Lava­boden begründet ist, in dem die reichlichen Niederschläge versickern, ohne sich zu Quellen sammeln zu können. Die Südseite Sawaiis ist durchweg viel steiler als die nördliche.

In der Meeresstraße zwischen Sawaii und Upolu liegen die kleinen Inseln Apolima und Manono. Ersteres ist eines der reizendsten Eilande der Südsee; ein Gipfelkrater von fast kreisrunder Gestalt steigt er steil, etwa 150 m hoch, von einer wütenden Brandung umtost, aus dem Meere empor. An einer Stelle ist die Wandung durchbrochen, so daß