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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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weiter nach oben zu verlegen, und schließlich kommt der Augenblick, in dein die bis dahin noch aus dem Meere hervorragenden Spitzen der Berge untertauchen. Nicht aber verschwindet der Korallengürtel, der sie umgibt, da ja die Billionen und aber Billionen dieser kleinen Baumeister immerfort tätig sind und Zelle auf Zelle schichten, um nur ja in den wärmeren Wasserschichten zu bleiben. Jetzt ist der Berg ganz weggesunken und über ihm breitet sich ein stiller, friedlicher See, der von den: Kranze des Korallen­walles umschlossen ist, so daß die mächtige Meeresdünung nicht hineinbranden kann. Mr hier und da hat sie sich einen engen Durchgang gebrochen, der den Schiffen die Einfahrt in den ruhigen Lagunensee gestattet. Im Laufe der Zeiten hat sich nun der Korallenwall immer mehr verstärkt. Die Wogen haben die alten Zellen zum Teil zer­stört und schleudern nun den Korallenschutt oben auf den Wall, immer mehr, immer mehr und ohne ihn zu schwächen, denn die Korallentierchen bauen weiter, je wilder die Wellen branden. Ja, die tosende See ist gerade ihr Element, während sie an der Rückseite des Walles, wo der stille Lagunensee sich träge dehnt, nicht mehr leben können. Sonne und Regen zermürben den Kalkschutt, und die Meeresströmung und die Vögel wetteifern miteinander, dem neuen Lande Saat zuzubringen, damit es eine Pflanzen­decke erhalte, die in dem feuchtwarmen Klima sich schnell weiterentwickelt. So sind die zahlreichen Koralleninseln, die Atolle, entstanden, von denen manche infolge vulkanischer Bodenveränderung ihres festländischen Sockels, auf dem sie ja gewachsen sind, gelegent­lich ein wenig in die Höhe getrieben werden. Das sind die sog. gehobenen Koralleninseln, die aber fast alle nur geringe Bodenerhebungen aufweisen, selten höher als etwa 100 m, während die Urgebirge bis über 4000 m (Festland von Neuguinea) emporsteigen.

Die deutschen Südseegebiete verteilen sich nun auf einen gewaltigen Meeresraum, der sich vom 133. Grade östlicher Länge bis zum 172. westlicher Länge, also über 55 Grade erstreckt. Es ist das eine Entfernung, die noch größer ist als beispielsweise die von Madrid nach Teheran. So wenig man bei den Ländern und Völkern zwischen Madrid und Teheran von gleichartigen Verhältnissen reden kann, ebensowenig ist das bei den deutschen Südseegebieten möglich, trotzdem sie alle in mehr oder minder großer Nähe zum Äquator liegen und trotzdem die gewaltigen, sie umgebenden Wasserflächen einen in vieler Be­ziehung ausgleichenden Einfluß ausüben. Es würde keinen: Menschen einfallen, Spanier und Perser über einen Kamm zu scheren, und doch glaubt man in manchen Abhandlungen über unsere Südseeschutzgebiete sich keiner allzu großen Differenzierung befleißigen zu brauchen, wie Wohl zwischen dem schwarzhäutigen, menschenfressenden Papua und dein rotbraunen, gastlichen Samoaner die denkbar größten Verschiedenheiten psychischer wie physischer Art bestehen. Eine getrennte Behandlung der einzelnen Gebiete ist daher unumgänglich notwendig.

Kaiser-Wilhelmsland.

Der deutsche Anteil an Neuguinea, Kaiser-Wilhelms-Land genannt, nimmt das kleinere nordöstliche Viertel dieser Insel ein. Abgesehen von den Küstengebieten und den untereu Läufen des Kaiserin-Augusta-Flusses und des Ramn ist das Land so gut wie gänzlich unerforscht. Die verhältnismäßig sehr wenig zahlreich zur Erkundung des Landes bisher unternommenen Expeditionen hatten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, die teils in der Unwegsamkeit der oft sumpfigen Wälder und der hohen Gebirgs- züge, teils in dem den Weißen so gefährlichen Klima, teils in der feindseligen Haltung der Inselbewohner ihre Ursachen haben. So ist es zu erklären, daß die Karte des Kaiser- Wilhelms-Landes immer noch im Innern nicht viel mehr als eine Weiße Fläche darstellt, hier und da von Gebirgszügen unterbrochen, die in ihrem allgemeinen Verlaufe nur andeutungsweise eingezeichnet sind auf Grund der ziemlich unbestimmten Angaben von Forschern, welche sie aus der Ferne sichteten. Dagegen ist die Küstenlinie dank der Tätigkeit der Vermessungsschiffe unserer Marine jetzt ziemlich genau festgestellt. Zwei tiefe Einschnitte, der Huongolf und die Astrolabebucht charakterisieren die östliche Hälfte