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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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der Namibflächen und der Küste, in denen nur sehr selten Niederschläge ein­trete».

Während der größte Teil des Namalandes mit Ausnahme einiger wüsten- hafter Striche aus Weideländern von anerkannter Güte besteht, stellt der äußerste Süden ein von der Natur überaus vernachlässigtes Gebiet dar. Es ist ein san­diges, steiniges und durstiges Land mit wenigen Weitauseinanderliegenden Wasser­stellen und mit überaus spärlichem Graswuchs, was sich dort über einen Breiten­grad ausdehnt. Demgemäß sind auch die Niederlassungen der Weißen und Ein­geborenen hier weniger zahlreich als in den nördlicheren Landesteilen. Das Groß-Namaland bildete den letzten Zufluchtsort der aus dem Kaplande ver­drängten Hottentotten. Hier lagen dicht geschlossen ihre Stammesgebiete. Von Hornkranz bis Gibeon saßen die mächtigen Witbooi, um Hoachanas dierote Nation", in Gochas die Simon Kopperschen .Hottentotten, in Koes die Feldschuh­träger, denen sich nach Westen die Stämme von Berseba, Bethanien und Keet- manshoop anschlössen, und endlich im Süden in dem großen Gebiet vom Nord­rand der Karrasberge bis zum Oranje die Bondelzwarts. Abgetrennt von diesen finden wir die Toopnaars im Walfischbai-Gebiet und am Kuiseb, und ver­sprengte Teile der Toopnaars und Swartboois im Kaokofeld. Heute, nach der Niederwerfung des großen Anfstandes, bestehen als selbständige Stämme nur noch die zum größten Teil am letzten Aufstand nicht beteiligten Bersebaner. Alle übrigen stehen unmittelbar unter den Organen der deutschen Regierung, die Häupt­lingswürde ist bei ihnen abgeschafft, die Stammesgrenzen sind gefallen.

Erwerb und Behauptung.

Die Entdeckung Südwestafrikas fällt in das letzte Drittel des 15. Jahr­hunderts. Die Portugiesen Bartolomeo Diaz und Diogo CZo, die im Jahre 1486 dasVorgebirge der Stürme", das spätere Kap der Guten Hoffnung, um­segelten, müssen als die Entdecker unseres heutige: Schutzgebiets gelten. Auf einem Vorgebirge nördlich von Swakopmund errichtete damals Diogo CZo ein stei­nernes Denkmal, nach dessen Form diese Stelle noch heute den Namen Kreuz­kap führt. Aber die Einöde und Wüstenhaftigkeit der Küstengebiete reizten diese ersten Umsegler der Südspitze Afrikas nicht zum Verweilen und zu weiterem Ein­dringen. Sie schufen ihre ersten Niederlassungen an der fernen südöstlichen Küste, wo die Gestade des heutigen Natal ihnen lieblichere Bilder boten.

Aber auch noch in weit späteren Zeiten, als die Holländer bereits in Süd­afrika festen Fuß gefaßt und im Jahre 1652 die Kapstadt an der Tafelbai ge­gründet hatten, lag unser heutiges Schutzgebiet noch in tiefer Weltabgeschieden­heit da. Überaus spärlich und unsicher, sind die wenigen Nachrichten, die uns über das Land aus jenen Zeiten überkommen sind. Jahrhunderte gingen so dahin. Im Besitz Südafrikas wurden zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Hol­länder von den Briten abgelöst, wilde Kriege mit den Eingeborenen durchtobten das Land, die Buren wanderten, dem englischen Einfluß weichend, nach Nordosten aus und gründeten den Oranje-Freistaat und das Transvaal. Allmählich und stetig begann europäischer Einfluß und die Kultur der weißen Rasse von weiten Teilen Südafrikas Besitz zu ergreifen. Aber auch der immer mehr zunehmende gewaltige Verkehr, der sich nun zwischen dem europäischen Mutterlande und dem fernen Südafrika entwickelte, ließ unser heutiges Schutzgebiet achtlos zur Seite liegen.

So entzogen die menschenleeren öden Wüsteneien an den Küsten und die ebenfalls öden und schwer zu durchquerenden Grenzgebiete im Inneren unser heu­tiges Schutzgebiet den begehrlichen Blicken der Nationen, die im Laufe der Jahr­hunderte an ihm vorübergingen.