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Deutschland als Kolonialmacht : Dreißig Jahre deutsche Kolonialgeschichte / Hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Dank Verein d. Soldatenfreunde
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von 5 Proz. des Wertes. Die Zolleinnahmen beliefen sich 1891/92 auf 325 000 Mark. Daneben kamen an Einnahmen aus dem Waffen- und Pulvermonopol etwa 300 000 Mark und an sonstigen Einnahmen 120 000 Mark in Betracht.

Bereits im September 1893 legte der hochverdiente Gouverneur seiu Amt nieder. Typisch für diesen, für Wißmanns und später noch manchen Rücktritt war es, daß es in erster Linie MißHelligkeiten mit der Berliner Zentrale waren, die dem Gouverneur seinen Posten verleideten. Dieser Gegensatz zwischen der Berliner und der kolonialen Zentrale hat sich dann noch oft wiederholt. Jeder Gouverneur ging mit den festen Absichten, Frieden zuhalten, hinaus; aber die Meinungsverschiedenheiten ließen sich nicht vermeiden, sie häuften sich, und das Ende war, daß der Gouverneur seineu Platz räumte.

Gouverneur Freiherr von Scheele.

Sodens Nachfolger, der bisherige stellvertretende Gouverneur, war ein nüchterner uud klarer Kopf, dem es ebensowenig wie seinem Vorgänger an Festigkeit fehlte. Als stellvertretender Gouverneur wurde ein Major von Wrochem nach Daressalam geschickt, der aber bereits nach dreiviertel Jahren durch den Oberstleutnant v. Trotha abgelöst wurde, der sich später als General in China und Südwestafrika Lorbeeren holen sollte. Als Soldat hatte sich Oberst von Scheele bereits am Kilimandjaro bewährt; er sollte nun auch die größere und wichtigere Uhähäfrage mit dem Schwerte lösen. Fast drei Jahre lang war die Schmach von Rugaro ungerächt geblieben, uud der Schrecken vor dem Namen der Wahcihä in dem südlichen Hinterlande der Kolonie und bis nach Unjamwesi hinein ins Ungemessene gewachsen.

Unter keinen Umständen durfte ein neuer Uhähäfeldzug mit einem Mißerfolge endigen. Es mußten daher umfassende Vorbereitungen getroffen werden. Vor allen Dingen mußte in dem von Heuschrecken und Dürre ausgehungerten Lande die Ver­pflegung für die große Expedition weit über tausend Mann gesichert werden; das geschah, indem lange im voraus mit der Anlage von Magazinen begonnen wurde. Im Herbst 1894 kounte endlich die Expedition, bestehend aus 33 Europäern und 600 Askari iu 5Vg Kompagnien, nebst vier Geschützen und 700 Trägern aufbrechen. Man wußte, daß sich der Kampf um die Eroberung der Hauptstadt Jringa drehen würde und daß dort reiche Verpflegung zu finden war. Deshalb verproviantierte sich die Kolonne aus einem zehn Tage vor Jringa angelegten Magazine für diese zehn Tage. Daraus ergab sich schon die Notwendigkeit, bald nach dem Eintreffen vor der Haupt­stadt, die der Kwawa seit der Zelewski-Katastrophe stark mit einer Steinmauer befestigt hatte, die Erstürmung durchzusetzen. Am Morgen des 30., noch in der Dunkel­heit, gingen zwei Kolonnen von je zwei Kompagnien uuter v. Elpons und Prince zum Sturm vor, und schon zehn Minuteu später war der Letzgeuannte in der Stadt. Es folgte ein heißer Nahkampf um die einzelnen Gehöfte, besonders die beiden Häuptlingsburgen. Schließlich aber suchten die Verteidiger in wilder Flucht das Weite. Die Truppe hatte an Toten einen Offizier und sechs Farbige, an Verwundeten vier Europäer und 44 Mann verloren. Die Beute war groß: außer Elfeubeiu und Stoffen 30 000 Pfuud Pulver, 2000 Rinder und gewaltige Mengen an Kleinvieh und Nahrungs­mitteln. Auch drei Geschütze und 150 Gewehre der Zelewskiexpedition wurdeu zurück­erobert. Kwawa hatte nur eiue beschränkte Zahl zum Gebrauche ausgegeben, in der ganz richtigen Überzeugung, daß der Aublick der besser bewaffueten Gewehrschützen dem Speerträger das Vertrauen zu der blanken Waffe nimmt. Ein Versuch, der Truppe noch auf dem Rückmarsch das Schicksal Zelewskis zu bereiten, scheiterte an der Aufmerksamkeit und dem Schneide Princes. Frieden schloß Kwawa nicht. Und so wurden noch jahrelange Kämpfe nötig, die sich immer mehr an den Namen Prince anknüpften. Exzellenz von Scheele wurde durch den Orden xoui- 1s merir-s ausge­zeichnet.

Während die Haupttruppenmacht des Schutzgebietes in Uhähä tätig war, war