in das Land zu führen, eigene Justiz und^Verwaltung einzurichten, Zölle und Steuern aufzuerlegen". Der Gegenwert bestand in Geschenken und dem Versprechen des Schutzes.
Während Peters und Jühlke mit diesen Dokumenten zur Küste zurückkehrten, blieb Graf Pfeil in Ussagara und legte daselbst die erste deutsche Station an. Peters begab sich nach Berlin, und durch die Mithilfe des Grafsn Behr und des Geheimrats von Kusserow gelang es, daß schon am 28. Februar 1885 durch einen Kaiserlichen Schutzbrief die Erwerbungen der Gesellschaft für deutsche Kolonisation anerkannt und durch Stellung unter die Oberhoheit des Reiches international gesichert wurden.
Periode der Deutsch-O st afrikanischen Gesellschaft.
Im März ging dann aus denjenigen Mitgliedern der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, welche durch die Zeichnung der 5000 M. Anteilscheine die Peterssche Expedition ermöglicht hatten, eine Kommanditgesellschaft hervor, die sich „Deutsch- Ostafrikanische Gesellschaft Carl Peters und Genossen" nannte. Der Bankier Karl v. d. Heydt in Elberfeld beteiligte sich mit 100 000 und Friedrich Krupp iu Essen mit 50 000 Mark. Auch weitere Zeichner traten bei; im April wurde Carl Peters von dem Direktorium der Gesellschaft Generalvollmacht erteilt. Damit war ihm freie Hand gegeben, das in Ostafrika geplante Kolonialreich auszubauen. Zugleich legte sich die Gesellschaft die Flagge zu, die sie noch heute führt.
Inzwischen hatte der Sultan von Sansibar, SseW Barghasch, ein Protesttelegramm an den Deutschen Kaiser gesandt und Proteste an die englische, französische und nordamerikanische Negierung, in denen er die Küste von Warschekh (Somaliland) bis zur Tongabai (Novuma) nebst Hinterland als sein Eigentum reklamierte. Obwohl der britische Generalkonsul in Sansibar, Sir John Kirk, der Ostafrika bereits als britische Interessensphäre betrachtete, hinter dem Vorgehen des Sultans stand, enthielt die Note an den Kaiser doch eine beleidigende Schlußbemerkung, die der Sache eine von Sir John am allerwenigsten gewünschte Wendung gab. In einer Audienz bei dem Fürsten Bismarck riet Peters zu energischem Vorgehen gegen den Sultan, dessen Palast von einigen Kriegsschiffen mit wenigen Schüssen in Trümmer gelegt werden konnte. Eine Ironie der Weltgeschichte wollte, daß diese Idee nicht von den Deutschen, sondern 13 Jahre später von den Engländern verwirklicht wurde.
Am 11. August stellte der Kommodore Paschen an der Spitze eines Geschwaders von fünf Schiffen dem Sultan das Ultimatum, und drei Tage später erkannte dieser in aller Form die Schutzherrschaft Deutschlands über die von Peters erworbenen Gebiete — zu denen auch inzwischen das Sultanat Witu getreten war — an und rief seine dorthin entsandten Truppen zurück. Im Anschluß daran stellte dann eine dentsch-britisch-fran- zösische Kommission fest, welche Rechte denn überhaupt den: Sultan in Ostafrika zustanden, und kam zu dem Beschlusse, daß ein Küstenstreifen von zehn Seemeilen seiner Hoheit unterstände.
Nichtsdestoweniger kam es noch zu einem Wettlaufen um den Besitz des Kilimandjaro. Denn Peters schickte alsbald nach allen Richtungen seine Emissäre aus, um neue Gebiete unter die Gesellschaftsflagge zu stellen. Es war die Zeit, in der alle die bekannten Afrikaner: Leue, Carnap, Bülow, Rochus Schmidt, Krenzler, St. Paul, Zelewsky, Dr. K. W. Schmidt, Frhr. v. Gravenreuth, Frhr. v. Eberstein, Hellgreve und viele andere in den Dieust der D. O. A. G. traten. Dr. Jühlke erwarb trotz der Gegenbemühungen des sansibarischen Generals Matthews das Kilimandjarogebiet, Graf Pfeil den Süden bis an den Njassa, Rochus Schmidt Usaramo; eine Hunderttausendmarkzuwendung von Krupp ermöglichte eine Expedition nach dem südlichen Somalilande, die aber mit der Ermordung Jühlkes am Tana scheiterte. Dagegen glückte die Besitzergreifung an anderen Stellen: z. B. im äußersten Norden des Somaligebietes, nicht weit von Kap Guardafui, Pflanzte einige Jahre später Kurt Hoffmann auf einer aus eigenen Mitteln bestritteueu Expedition die deutsche Flagge auf, und im Süden gehörten zu dem Gebiet, in dem sich