Druckschrift 
Baumwolle, die Baumwollfrage und die Baumwollkultur in unseren Kolonien : Vortrag, gehalten für die Abteilung Bremen der Deutschen Kolonial-Gesellschaft in Bremen am 13. Jan. 1911 / von Erich Fabarius
Entstehung
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Vor etwa Jahresfrist hegte man in den Kreisen hiesiger Kolonialfreunde den Wunsch und die Hoffnung, es möchte sich die damals im Vordergründe aller kolonialen Fragen und Arbeiten stehende Persönlichkeit, Exzellenz Dernburg, bereit finden lassen, in Bremen einen Vortrag über Baumwolle zu halten, doch hat sich diese Hoffnung leider nicht verwirklicht, und nun schicke ich mich, einem Wunsche des Vorstandes der hiesigen Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft folgend, an, Ihnen einen geringen Ersatz zu bieten für das, was wir gerne aus berufenem Munde gehört hätten.

Ehe ich jedoch mit meinem Vortrage beginne, möchte ich Sie Alle, meine verehrten Damen und Herren, um eine nach­sichtige Beurteilung meiner Ausführungen bitten, denn nur wenige Tage haben mir zur Bearbeitung des gestellten Themas zur Verfügung gestanden; halten Sie mir daher, bitte, den tieferen Sinn des alten Spruches zugute:

Wer gibt, was er hat,

Ist wert, dass er lebt!

Es ist an sich, allgemein gesprochen, besonders aber für alle diejenigen, die nicht in direkten Beziehungen zu Baumwoll­handel und Industrie stehen, ein trockenes Thema, über welches ich Ihnen heute einen kurzen Vortrag halten möchte, und die Gefahr, die hierin liegt, ist um so grösser, als ich nicht in der Lage bin, den Vortrag durch Lichtbilder, wie es heutzutage doch meist geschieht und auch meist erwartet wird, zu be­leben; allein Baumwolle ist gerade für Bremen von einer so eminent hohen wirtschaftlichen Bedeutung, die Baumwollfrage spielt schon seit mehreren Jahren eine so wichtige, die weite­sten Kreise interessierende Rolle, und die Baumwollkultur in unseren Kolonien steht auf dem Gebiete der kolonialen Arbeit heutzutage so entschieden im Vordergründe, dass ich glaube hoffen zu dürfen, auch mit einfachen Worten einiges Interesse zu finden, und da, wo dieses Interesse für die einzelnen Punkte meines Themas bereits vorhanden ist, dasselbe zu fördern und einem tieferen Verständnisse zu begegnen.