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Krieg und Kolonisation : Ideale der deutschen Jugend / von Hermann Ullmann
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Krieg und Kolonisation

Ideale der deutschen Jugend

Du warst unsichtbar mit uns gewandert den ganzen goldenfrischen, in klaren Farben leuchtenden Herbsttag. Warst mit uns auf den lieben Heimathöhen gestanden und hattest ins gesegnete Land hinaus­gesehen, warst durch das Tal vor uns geschritten, mit deiner schlan­ken, aufrechtadligen Gestalt und deinen festen, sicheren Bewegungen, hattest mit uns am Waldhange gerastet, wie so oft wohlig zurück- geschmiegt ins Gras, dem für dich nicht leichten Wochenalltag ent­rückt und große Träume in deinen klugen Augen. Bis wir mit einem- mal daran dachten: du stehst ja jetzt so hoch und ferne über uns, daß wir dir nur sehnsüchtig nachblicken können: setzt für das, was wir nur still und voll großer Vorsätze lieben können, dein Blut ein, bist dem Herzen der Heimat draußen vor dem Feinde tausendmal näher als wir, hast ein tausendmal tieferes Recht als wir, dich deutsch zu fühlen, der Gemeinschaft würdig eingegliedert, die uns alle umfaßt und die uns das Heiligste aller Lebensgüter bedeutet. Wie drängte sich unsere Liebe doppelt an dich, ferner naher Freund, wie fühlten wir, daß wir durch dich teil hatten an dem unendlichen Opfer! Unsere Sehnsucht war bei dir, und der Schmerz, von dem größten Manneserlebnis, allem heißen Bemühen zum Trotze, durch eine kleine Willkür des Schicksales, einen Zufall unerbittlich aus­geschlossen zu sein, mischte sich wieder aufs neue in die Gedanken, die dir nachstehend in die große Welttrauer und Welthoffnung mündeten. Glücklicher Freund, dein Leib war gefährdet, deine Seele aber war geborgen in dem großen freien Gewissen unseres Volkes, in der göttlichen Notwendigkeit des Weltgeschehens, dem du dich gläubig, freudig und freien Willens hingegeben hast.

Und nun, auf dem Heimwege durch die Sternennacht, erfuhren wir: er ist tot. Da war für einen Augenblick der Sinn der Welt und ihres großen Geschehens verlöscht. Die heilige Ordnung der Sterne, ihr ewiger Gleichklang droben war Hohn auf uns Erd- gebundene, Preisgegebene. Eine stumpfe Willkür, der wir, die ein-

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