Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
816
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II. Ausgangspunkte der afrikanischen Kulturelemente.

Wenn wir in vielen Fällen feststellen konnten, aus welchen geographischen Regionen die verschiedenen Kulturelemente stammen, die in Ostafrika jetzt vor­handen sind, so sind diese Regionen doch lange nicht immer die Ausgangspunkte gewesen, von denen Afrika sie erhielt. Offenbar haben sie oft erst weite Reisen zu anderen Völkern gemacht, ehe sie zu uns gelangten. Als Ausgangsländer können wir folgende Gruppen aufstellen:

1. Südasien, insbesondere Südindien. Von dort scheint die Banane, Colo- casie, die Areka-Palme, Dioscorea alata, der Betel-Pfeffer, das Zeburind zu stammen.

2. Das westasiatische Steppengebiet. Besonders Nordwestindien und die Länder am persischen Golf haben sehr viel Kulturelemente nach Ost­afrika geliefert; ich erwähne Phaseolus Mungo, D o lieh o s Lab l ab, Vigna sinensis, Cajanus indicus, den Reis, das Zuckerrohr, einige Citrusarten, den Feness- und den Mangobaum, den Granatapfel, Curcuma, Ingwer, die Baumwolle, Kaffee, die Ziege, den Maskatesel, das P'ettschwanz- und Fettsteiß-Schaf, das indische Schwein, die Taube, den Paria-Hund usw.

Wahrscheinlich kamen auch Wassermelone, Gurke, Hennah, Ricinus, Sesam, Sorghum und Eleusine hierher.

3. Von Nordafrika sind offenbar recht wenige Elemente direkt eingeführt. Der Wüstengürtel hinderte ihre Verbreitung nach Süden, und noch mehr die Ab- schließung, die Ägypten in alter Zeit gegen die Außenwelt hatte. So sind das nördliche ziegenköpfige Schaf und die Katze wohl auf dem Umwege über Arabien zu uns gekommen. Viele Pflanzen, die zwar in großer Verbreitung auch in Afrika wild vorkamen, sind offenbar nicht hier, sondern in Asien domestiziert worden. Ein kleines Zentrum der Verbreitung hat im oberen Nillande oder an den Grenzen von Abessinien gelegen, von wo der graue Esel, das Sanga-Rind und der Wind­hund ausgingen.

4. Amerika lieferte seine Provenienzen teils direkt durch die Portugiesen, teils auf dem Umwege über Indien.

5. Aus Reunion oder vielleicht auch aus Madagaskar sind einige wenige Elemente bei uns eingeführt worden, teils von den Arabern, teils von Missionaren, und zwar nach Zanzibar.

Im einzelnen muß ich auf die Spezialausführungen verweisen.

Wenn wir nun alles abziehen, was von auswärts nach Ostafrika kam, so bleibt recht wenig übrig, das in Afrika selbst domestiziert worden ist, und auch bei diesen ist es vielfach zweifelhaft, ob nicht in der Urzeit eine sehr große Ver­breitung der Pflanzen vorlag und ihre Domestikation außerhalb unseres Kontinents stattfand. Die ordinären Sorten von der Wassermelone, wilder Sesam, Flaschen­kürbis, Corchorus, Pedicellama , C anavallia , Dioscorea- Arten, Co- leus, Psophocarpus u. a. werden jedoch afrikanischen Ursprungs sein, be­sonders aber auch Voandccia.